Sprache der Liebe. Asta Nielsen, ihre Filme, ihr Kino 1910 - 1933
Filmretrospektive | Internationales Symposion | BuchEin Projekt der Kinothek Asta Nielsen e.V.
in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filminstitut – DIF / Deutschen Filmmuseum, Frankfurt am Main, dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main, dem Austria Filmarchiv, Wien und anderen.
Programm:
Donnerstag, 26. April 2007
Freitag, 27. April 2007
Samstag, 28. April 2007
Sonntag, 29. April 2007
Asta Nielsen (1881–1972) war der erste Kinostar von großer europäischer und internationaler Bedeutung. Sie ist eine Filmkünstlerin von höchstem filmgeschichtlichem Rang. In vielerlei Hinsicht stellt das Phänomen Asta Nielsen einen Meilenstein auf dem Weg des Films zur Massenkultur des Kinos, zum Wirtschaftszweig, zu einer eigenen Ästhetik und Sprache und zu einer Kultur der Gleichberechtigung der Geschlechter dar. Doch ihre Filme – weniger als die Hälfte sind erhalten – sind kaum bekannt. Die Kinothek Asta Nielsen plant seit ihrer Gründung, Asta Nielsen einem heutigen Publikum nahe zu bringen.
Als Partner für das Vorhaben konnte die Kinothek deutsche und europäische Archive, Filmmuseen und Kinos gewinnen.
April/Mai und Oktober 2007
- Umfassende Retrospektive der Filme Asta Nielsens im April und Mai 2007 in Frankfurt am Main, veranstaltet von der Kinothek Asta Nielsen e.V. in Zusammenarbeit mit Deutsches Filminstitut – DIF, Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main, schauspielfrankfurt und ZDF/ARTE
Orte: Kino des Deutschen Filmmuseums und schauspielfrankfurt
- Internationales Symposion Krise und Aufbruch. Asta Nielsen als Protagonistin der Moderne, veranstaltet vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main, Filmprofessur, und Kinothek Asta Nielsen in Zusammenarbeit mit Deutsches Filminstitut – DIF / Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main
Orte: schauspielfrankfurt, Glashaus und Kino des Deutschen Filmmuseums
- Sprache der Liebe. Asta Nielsen, ihre Filme, ihr Kino 1910–1933. Die Publikation des Filmarchivs Austria, herausgegeben von Karola Gramann, Eric de Kuyper, Sabine Nessel, Heide Schlüpmann, Michael Wedel, ca. 500 Seiten, ca. 300 Abbildungen, erscheint im Oktober 2007.
Begleitend zur Retrospektive zeigt das Deutsche Filminstitut – DIF / Deutsche Filmmuseum, Frankfurt am Main,
im Filmmuseum eineGalerieausstellung Asta Nielsen
22. April – 16. September 2007
Sonntag, 22. April, 18.00 Uhr Eröffnung Galerie im 2. Stock
Programm
Donnerstag, 26. April 2007
In Anwesenheit Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Benedikte zu Dänemark
Moderation: Jo van Nelsen
17.00 Uhr, Glashaus schauspielfrankfurt Eröffnung des Internationalen Symposions, Festvortrag von Heide Schlüpmann (Frankfurt am Main) „Geschichte spielen, die ungewöhnliche Modernität der Asta Nielsen“
(Programm als PDF)20.00 Uhr, Großes Haus schauspielfrankfurt
Asta Nielsen in Zapatas BandeEröffnung der Retrospektive mit der Uraufführung von Kompositionen der niederländischen Pianistin Maud Nelissen mit den Asta Harmonists zu zwei Filmen aus den 10er-Jahren, Der Fremde Vogel (1911) und Zapatas Bande (1913/14)
Anschließend EmpfangFortsetzung von Retrospektive und Symposion im Kino des Deutschen Filmmuseums (Programm als PDF)
Freitag, 27. April 2007
10.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Afgrunden (1910)
Am Flügel begleitet von Eunice Martins
Kommentar Ute Holl (Berlin)11.30 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum In dem großen Augenblick (1911) Am Flügel begleitet von Ruth Bieri
Kommentar Heike Klippel (Braunschweig)
Die arme Jenny (1911/12)
Musikalische Begleitung Günter Buchwald, Barbara Lenz15.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Das Mädchen ohne Vaterland (1912) Am Flügel begleitet von Ruth Bieri
Kommentar Annette Förster (Amsterdam)16.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Vortrag Claudia Preschl (Wien)
„Die größten Schlager der Groteske“17.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Engelein (1913)
Am Flügel begleitet von Maud Nelissen20.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Vortrag José Teunissen (Utrecht)
„Fashion and Modernity. Asta Nielsen and Coco Chanel“
Vordertreppe und Hintertreppe (1914/15)
Am Flügel begleitet von Günter Buchwald
Samstag, 28. April 2007
10.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Die Filmprimadonna (1913)
Am Flügel begleitet von Elvira Plenar
Kommentar Winfried Pauleit (Bremen)11.30 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Totentanz (1912)
Am Flügel begleitet von Günter Buchwald
Die Ballettänzerin (1911)
Am Flügel begleitet von Günter Buchwald
Kommentar Thomas C. Christensen (Kopenhagen)13.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Dora Brandes (1916)
Am Flügel begleitet von Eunice Martins15.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Vortrag Michael Wedel (Amsterdam)
„Die Tränen der Asta Nielsen“16.30 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Der Absturz (1922)
Am Flügel begleitet von Maud Nelissen18.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Das Liebes-ABC (1916)
Am Flügel begleitet von Eunice Martins20.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Vortrag Eric de Kuyper (Brüssel)
„Regie – Spiel – Spielregie“
Die Börsenkönigin (1916)
Am Flügel begleitet von Ruth Bieri22.30 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Vanina (1922)
Am Flügel begleitet von Maud Nelissen
Sonntag, 29. April 2007
11.00 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Nach dem Gesetz (1919)
Am Flügel begleitet von Eunice Martins
Kommentar Sabine Nessel (Frankfurt am Main)13.30 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Unmögliche Liebe. Vera Holgk und ihre Töchter (1932) 19.00 Uhr, Großes Haus schauspielfrankfurt
Asta Nielsen in Hamlet.
Quelle: Deutsches Filminstitut - DIFHamlet (1920/21) in einer weltweit einzigartigen, vom Deutschen Filminstitut – DIF restaurierten Fassung mit Live-Aufführung einer von ZDF/ARTE beauftragten Komposition des deutschen Jazz-Klarinettisten Michael Riessler und internationalen Solisten Veranstaltungsorte
Deutsches Filmmuseum
Schaumainkai 41
Öffentliche Verkehrsmittel:
U-Bahn U1, U2, U3 (Haltestelle Schweizer Platz);
U4, U5 (Haltestelle Willy-Brandt-Platz) und Untermainbrücke überqueren
schauspielfrankfurt
Willy-Brandt-Platz
Öffentliche Verkehrsmittel:
U4, U5 (Haltestelle Willy-Brandt-Platz)
Eintrittspreise
Eröffnung schauspielfrankfurt (26.4.) und Hamlet (29.4.): € 14,00 / erm. € 10,00
Ticket für beide Abende: € 23,00 / erm. € 15,00
Vorverkauf Theaterkasse Willy-Brandt-Platz, Mo – Fr 10 – 18 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr
069 – 13 40 400 · www.schauspielfrankfurt.de
Retrospektive
Retrospektive, Symposion und Ausstellung Deutsches Filmmuseum
Dauerkarte Symposion: € 35,00 / erm. € 20,00
069 – 961 220 220 · www.deutsches-filmmuseum.de
Dienstag, 1. Mai 2007
20.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumAfgrunden (1910)
In dem großen Augenblick (1911)
Am Flügel begleitet von Eunice MartinsFreitag, 4. Mai 2007
18.00 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDen sorte drøm (Der schwarze Traum) (1911)
Balletdanserinden (Ballettänzerin)(1911)
Am Flügel begleitet von Eunice MartinsSamstag, 5. Mai 2007
22.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumVordertreppe und Hintertreppe (1914)
Am Flügel begleitet von Eunice MartinsSonntag, 6. Mai 2007
11.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumEngelein (1913)
Am Flügel begleitet von Eunice MartinsSonntag, 13. Mai 2007
11.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumWeiße Rosen (1914)
Das Liebes-ABC (1916)
Am Flügel begleitet von Eunice MartinsDienstag, 15. Mai 2007
20.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDie Verräterin (1911/12)
Das Mädchen ohne Vaterland (1912)Freitag 18. Mai 2007
18.00 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumTotentanz (Fragment) (1912)
Wenn die Maske fällt (1912)
Die arme Jenny (1911/12)Samstag, 19. Mai 2007
16.00 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDas Versuchskaninchen (1917)
Im Lebenswirbel (1916)Mittwoch, 23. Mai 2007
20.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumVortrag Heide Schlüpmann (Frankfurt am Main) „Spielräume des frühen Kinos“ mit einem Film von Franz Hofer Das rosa Pantöffelchen (1913)
Die Filmprimadonna (Fragment) (1913)
Vordertreppe und Hintertreppe (1914)
Am Flügel begleitet von Eunice MartinsFreitag, 25. Mai 2007
22.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDas Eskimobaby (1916) Samstag, 26. Mai 2007
20.30 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum
Dora Brandes (1916)
Die Sünden der Väter (Fragment) (1912/13)22.30 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Das Ende vom Liede (1919) Sonntag, 27. Mai 2007
18.00 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumS1 (1913)
Am Flügel begleitet von Joachim Bärenz
Asta und Charlotte – Ein Filmstar im Ruhrgebiet (1990)20.30 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Erdgeist (1922/23)
Am Flügel begleitet von Joachim BärenzDienstag, 29. Mai 2007
18.00 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDer Reigen (1920) Mittwoch, 30. Mai 2007
20.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDer Absturz (1922) Donnerstag, 31. Mai 2007
20.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumLaster der Menschheit (1926) Freitag, 1. Juni 2007
20.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDie freudlose Gasse (1925) Samstag, 2. Juni 2007
22.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDer fremde Vogel (1911)
Mod Lyset (Der Fackelträger) (1919)Dienstag, 5. Juni 2007
18.00 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDirnentragödie (1927) Mittwoch, 6. Juni 2007
20.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDie Geliebte Roswolskys (1921) Donnerstag, 7. Juni 2007
20.30 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumDas gefährliche Alter (1927) Samstag, 9. Juni 2007
18.00 Uhr, Kino Deutsches FilmmuseumAsta Nielsen – Ein Film über Asta Nielsen (1968) 20.30 Uhr, Kino Deutsches Filmmuseum Unmögliche Liebe. Vera Holgk und ihre Töchter (1932)
Weitere Veranstaltungen 2007
Februar: Im Rahmen der Retrospektive der Internationalen Filmfestspiele Berlin “City Girls. Frauenbilder im Stummfilm” werden erste neu restaurierte Nielsen-Filme aufgeführt.
In einer Uraufführung in der Volksbühne am 10. Februar 2007 wird die vom Deutschen Filminstitut – DIF restaurierte farbige Kopie von Hamlet mit der von ZDF/ARTE beauftragten Komposition des Jazz-Klarinettisten Michael Riessler und internationalen Solisten gezeigt.
April: Im Rahmen des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund|Köln vom 17.–22. April findet die Zusammenarbeit an einem Film- und Musikprojekt ausgewählter Nielsen-Filme mit der Komponistin Maud Nelissen statt.
Juli: Die Kinothek Asta Nielsen präsentiert während des internationalen Archivfilmfestivals Il Cinema Ritrovato in Bologna 12 ausgewählte Programme.
Oktober: Die Publikation Sprache der Liebe. Asta Nielsen, ihre Filme, ihr Kino 1910–1933 erscheint und wird zur Viennale (19.–31. Oktober) vorgestellt.
November: Die Gesamtretrospektive wird vom Austria Filmarchiv übernommen und im Metropol Kino in Wien gezeigt.
Dezember: In Zusammenarbeit mit Freunde der Deutschen Kinemathek, Kino Arsenal und Filmmuseum Berlin Präsentation der Gesamtretrospektive in Berlin.
Für 2008 sind weitere Aufführungen der Gesamtretrospektive oder ausgewählter Programme geplant.
Asta Nielsen in Die freudlose Gasse.
Quelle: Verlag "Ross", BerlinAsta Nielsen, Prototyp des Starphänomens im europäischen Film
Mit Asta Nielsen formierte sich – nach dem überragenden Erfolg mit ihrem ersten, von der Kosmorama in Kopenhagen gedrehten Film Afgrunden (1910, dt. Abgründe) – 1911 in Deutschland, beim Übergang vom Kurzfilm- zum Langfilmprogramm, das Phänomen des Filmstars als Publikumsmagnet und damit auch als wirtschaftliche Größe. Der erste deutsche Star kam aus Dänemark: Der Vertrieb der Asta-Nielsen-Filme und die Wirkung des Stars waren von Anfang an ein weltweites Phänomen.
Im Hinblick auf die Geschlechterverhältnisse war Asta Nielsen ihrer Zeit weit voraus. Sie ließ keinesfalls ihr Bild nur von anderen vermarkten, sondern behielt die vertraglich abgesicherte Kontrolle gegenüber ihren Produktionsfirmen. Zeitweise trat sie selbst als Produzentin auf.
In der Doppelrolle von Trägerin des Starbildes und Nutznießerin, Agentin seiner Vermarktung, transformierte sie den Markt – repräsentiert durch die neu entstehenden Monopolfilmverleihe – in ein Medium zur Verbreitung ihrer Filmkunst.
Innovative Schauspielerin
Asta Nielsen kam vom Theater und schuf mit ihrem ersten Film sogleich eine neue Schauspielästhetik, eine Sprache des Films, wo bislang Dokumentation, Attraktion und Unterhaltung bestimmend waren. Zahlreiche Elogen auf die Nielsen bezeugen, dass sie dem Erzählkino als einem Reich von Gestik, Gebärde und Körpersprache zu einem kulturellen Durchbruch verhalf, wie Béla Balázs in einem ihr gewidmetem Kapitel seines Buches Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Films 1925 schreibt.
Asta Nielsen in Engelein
Filmautorin
Als Schauspielerin war die Nielsen Autorin ihrer Filme. Ganz selbstverständlich konzipierte sie ihren eigenen Auftritt jeweils bis in die Wahl des Stoffes, des Schnittes ihrer Kostüme und die Ausführung einer Szene hinein. Darüber hinaus nahm sie auf alle Elemente des Films – Drehbuch, Besetzung, Kamera, Filmentwicklung im Labor – Einfluss, wie sie in ihrer 1945/46 erschienenen Autobiografie Den tiende Muse (deutsch: Die schweigende Muse) berichtet.
Prototyp eines europäischen Stars, innovative Schauspielerin und Filmautorin – dies alles verkörperte Asta Nielsen im Selbstbewusstsein eines Geschlechterverhältnisses am Vorabend der modernen gesellschaftlichen Gleichberechtigung.
Asta Nielsen begutachtet ihren Film Die Filmprimadonna
Zur Rezeptionsgeschichte
Die Popularität der Nielsen in den 10er Jahren ist durch ihre überwältigende Präsenz in Kritiken und Anzeigen bezeugt, sowie durch die erste, 1914 publizierte filmsoziologische Dissertation von Emilie Altenloh: Zur Soziologie des Kino. Die Kino-Unternehmungen und die sozialen Schichten ihrer Besucher.
In den 20er Jahren ist ihre Wirkung am stärksten dokumentiert in zahllosen Gedichten und anderen literarischen Zeugnissen, in der ersten Filmtheorie von Béla Balázs, in den ihr gewidmeten, huldigenden Monographien von Pablo Diaz, Asta Nielsen: Eine Biographie unserer populären Künstlerin und Asta Nielsen von Ernst Moritz Mungenast.
1933 verschwindet Asta Nielsen aus dem deutschen Film. Seither hat sie ihr filmgeschichtliches Fortleben vor allem im Gedächtnis vieler Kinogängerinnen und Kinogänger; aber es gibt auch keine Filmgeschichte der Frühzeit und des Weimarer Kinos, in der sie nicht vorkommt. Sie war ein Ereignis und nicht einfach eine Schauspielerin.
Zum 100. Geburtstag 1981 erschien im Henschel Verlag, Berlin (DDR), eine Bildmonographie, die vor allem eine Auswahl zeitgenössischer Texte versammelte. Der reich bebilderte Band wurde herausgegeben von Renate Seydel und Allan Hagedorff und trägt den Titel Asta Nielsen. Ihr Leben in Fotodokumenten, Selbstzeugnissen und zeitgenössischen Betrachtungen.
In der BRD fand zu dieser Zeit eine Retrospektive Asta Nielsen statt, eine Ausstellung mit ihren Stoffcollagen (an denen sie nach ihrem Rückzug aus dem Film arbeitete) kursierte. Seither sind einzelne ihrer Filme hin und wieder in filmgeschichtlichen Programmen gelaufen, prominentester Ort war die dem frühen deutschen Kino gewidmete Retrospektive Prima di Caligari 1990 in Pordenone.
Eine Gesamtretrospektive hat es bisher nicht wieder gegeben, Auseinandersetzungen mit ihrer Bedeutung fanden öffentlich nur in dem einen oder anderen Zeitschriften- oder Buchbeitrag statt. Obwohl Tagungen und Forschungen zum Frühen Kino inzwischen zahlreich erfolgen, steht eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Asta Nielsen immer noch aus.
Asta Nielsen mit 91 Jahren (1972)
Zur Überlieferungslage des Werks
Die Überlieferung der Filmarbeit von Asta Nielsen steht in einem krassen Missverhältnis zu ihrer überragenden Bedeutung. Zwar wurde sie als wirtschaftlicher Erfolgsschlager, als Liebling des Publikums und vor allem der Künstler, Schriftsteller, Kritiker in der Filmgeschichte namhaft, doch ihre Werke teilten das Schicksal aller Filme aus der Frühzeit des Kinos. Sie wurden nicht archiviert, sondern im Gegenteil nur zu oft zerstört oder dem Zerfall überlassen. Von den etwa 75 Filmen Asta Nielsens sind weit weniger als die Hälfte erhalten und auch diese häufig nur fragmentarisch. Was es an Kopien gibt, befindet sich überwiegend in einem schlechten Zustand. Die Lage wird sich durch die laufenden Restaurierungsarbeiten verschiedener Archive verbessern. Insbesondere tritt zu den wenigen in Farbe erhaltenen Filmen (vorwiegend in der Sammlung des Filmmuseum Amsterdam) eine Farbrestaurierung von Zapatas Bande durch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden hinzu, sowie die Restaurierung des spektakulären Fundes eines farbigen Nitrats des Hamlet-Films durch das Deutsche Filminstitut – DIF / Deutsche Filmmuseum, Frankfurt am Main.
Literatur (Auswahl)
Altenloh, Emilie, Zur Soziologie des Kino. Die Kino-Unternehmungen und die sozialen Schichten ihrer Besucher, Jena 1914
Balázs, Béla, „Asta Nielsen”, in: ders. Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Films, Wien–Leipzig 1925
Bergstrom, Janet, „Asta Nielsen´s Early Films”, in: Cherchi Usai, Paolo und Codelli, Lorenzo, Hg., Before Caligari. German Cinema 1895–1920, Pordenone 1990
Diaz, Pablo, Asta Nielsen: Eine Biographie unserer populären Künstlerin, Berlin 1920
Müller, Corinna, Frühe deutsche Kinematographie. Formale, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen, Stuttgart 1984
Mungenast, Ernst Moritz, Asta Nielsen, Stuttgart 1928
Nielsen, Asta, Den tiende Muse, Kopenhagen, 1945/46; dt. Die schweigende Muse, Berlin (DDR) 1977
Schlüpmann, Heide, „Ohne Worte. Asta Nielsen als Erzählerin im Kinodrama”, in : Bock, Jakobsen, Schöning, Schwarzer Traum und weiße Sklavin: Deutsch-dänische Filmbeziehungen 1910–1930, München 1994
Schlüpmann, Heide, „Asta Nielsen. Girl with no Fatherland”, in: Cinegrafie 12: Divine Apparizioni, Milano 1999
Seydel, Renate und Hagedorff, Allan, Hg., Asta Nielsen. Ihr Leben in Fotodokumenten, Selbstzeugnissen und zeitgenössischen Betrachtungen, Berlin (DDR) 1981
Die Kuratorin
Das Gesamtprojekt und insbesondere die Retrospektive werden von Karola Gramann konzeptualisiert, verantwortlich geleitet und kuratiert. Karola Gramann, war mehrere Jahre Direktorin der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und von 1990–93 Co-Leiterin der Frankfurter Filmschau. Sie arbeitet seit 1989 als freie Kuratorin im In- und Ausland. 1993–2004 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der J.W. Goethe-Universität. 1999 gründete sie zusammen mit anderen die Kinothek Asta Nielsen e.V., deren künstlerische Leiterin sie ist. In dieser Eigenschaft war sie insbesondere für die Konzeption und Gesamtleitung aller großen Veranstaltungen der Kinothek Asta Nielsen zuständig (Retrospektive und Symposion L´Invitation au Voyage. Germaine Dulac, 2002; Rosenfilmfest, zusammen mit Sabine Hartung, 2003; Filmreihe Dark Room: Liebesverhältnisse im Kino und Symposion Die Filmdiva, 2004/5, 2005 wetterfest°, Internationales Wetterfilmfestival).
Das Symposion
Das Symposion Krise und Aufbruch. Asta Nielsen als Protagonistin der Moderne wird von der Filmprofessur des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Kinothek Asta Nielsen in Zusammenarbeit mit Deutsches Filminstitut – DIF / Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main, veranstaltet.
Das Buch
Die Publikation Sprache der Liebe. Asta Nielsen, ihre Filme, ihr Kino 1910–1933 wird herausgegeben von Karola Gramann, Eric de Kuyper, Sabine Nessel, Heide Schlüpmann und Michael Wedel.
Heide Schlüpmann hat die Professur für Filmwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main inne. Schwerpunkte ihrer Forschung und Lehre sind: Frühes Kino, feministische Filmkritik, Filmästhetik, Kinotheorie. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift Frauen und Film und unter anderem Autorin des Buchs Unheimlichkeit des Blicks. Das Drama des frühen deutschen Kinos.
Eric de Kuyper war Professor für Filmwissenschaft der Universität Nijmegen (und Begründer des Studiengangs) und Filmautor, dann Künstlerischer Leiter des Nederlands Filmmuseum. Heute arbeitet er als freier Schriftsteller, Dramaturg und Regisseur. Filmwissenschaftliche Schwerpunkte: Stummfilm, der Körper im Film, Film und die anderen Künste. Er ist u.a. Autor von “Le Cinéma de la seconde Epoque” (in: Cinemathèque Nr. 1 und 2) sowie von Alfred Machin. Cinéaste/Filmmaker.
Sabine Nessel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Filmwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Veröffentlichungen in den Bereichen Kultur-, Film- und Medientheorie. Promotion 2005 zu Kino und Ereignis. Redakteurin der Zeitschrift Frauen und Film und Mitherausgeberin des Internetmagazins Nach dem Film.
Michael Wedel ist Assistenzprofessor für Geschichte und Theorie der Medien und Kultur an der Universität von Amsterdam. Davor von 2001 bis 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studiengang AVMedienwissenschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg. Autor und Mitherausgeber u.a. von A Second Life. German Cinema’s First Decades (Amsterdam 1996), The BFI Companion to German Cinema (London 1999), Kino der Kaiserzeit. Zwischen Tradition und Moderne (München 2002) und Die Spur durch den Spiegel. Der Film in der Kultur der Moderne (Berlin 2004). Demnächst erscheint Der deutsche Musikfilm. Archäologie eines Genres 1914-1945 (München 2006).
Presse
Pressefotos finden Sie auf der Webseite des Deutschen Filmmuseums
Bilder von der Pressekonferenz am 19. April 2007
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Förderer und Partner
Europäische Partnerinstitutionen:
Botschaft des Königreichs Dänemark
Botschaft des Königreichs der Niederlande
Cinémathèque Royale de Belgique, Brüssel
Cineteca del Comune di Bologna
Det Danske Filminstitut, Kopenhagen
Filmarchiv Austria, Wien
Filmmuseum Amsterdam
Deutsche Partner:
Bundesarchiv – Filmarchiv Berlin/Koblenz
Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse, Frankfurt am Main
Deutsches Filminstitut – DIF e.V. / Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main
Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Berlin
Filmmuseum Düsseldorf
Filmmuseum München
Freunde der Deutschen Kinemathek, Kino Arsenal, Berlin
Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Frauenreferat der Stadt Frankfurt am Main
Hauptstadtkulturfonds, Berlin
Heinrich Böll Stiftung Hessen e.V.
Hessische Filmförderung
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Internationales Frauenfilmfestival Dortmund|Köln
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Filmprofessur
maecenia - Frankfurter Stiftung für Frauen in Wissenschaft und Kunst
Messe Frankfurt
schauspielfrankfurt
Dr. Dr. med. h.c. Hans Schleussner
Universität Trier, Fach Medienwissenschaft, Professur für visuelle Kommunikation
Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main e.V.
ZDF/ARTE
Kinothek Asta Nielsen e.V. www.kinothek-asta-nielsen.de