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31. Mai bis 22. Juni 2003
Palmengarten Frankfurt am Main
Eine Zusammenarbeit von Kinothek Asta Nielsen, RoseCraft / Sabine Hartung und Palmengarten Frankfurt
Ein Projekt von Sabine Hartung (Rosenmalerin)
und Karola Gramann (Kuratorin Film)Überblick
Die Rosenlounge
Gemalte Rosen und Rosen im Film
"My love is like a red red rose"
Partner und FördererInternet: www.rosenfilmfest.de
Zur Zeit der Rosenblüte, vom 31. Mai bis 21. Juni, fand im Frankfurter Palmengarten das RosenFilm Fest statt. Eine multimediale Veranstaltung, in deren Zentrum die Verbindung eines von Karola Gramann kuratierten Filmprogramms mit Bildern der Rosenmalerin Sabine Hartung stand. Der Lesesaal des Palmengartens wurde zu diesem Zweck von der Künstlerin in eine Farb-Raum-Inszenierung umgestaltet, die die Filmleinwand in die Ausstellungswände einbezog.Die Glashausarchitektur des Palmengartens bot ein visuell eindrückliches und dem Thema entsprechendes Ambiente. Wie es sich im Verlauf der Veranstaltung dann zeigte, wirkte der Ort stimulierend auf alle Sinne und verlieh dadurch dem Filmsehen eine eigentümliche Lebendigkeit. Die Besucher und Besucherinnen, die in der Dämmerung zum Kino eilten, wurden von den Düften der Rosenbeete empfangen, und wenn sie dann in das Filmerlebnis eingetaucht waren, konnte es geschehen, daß der Kakadu aus dem Tropenhaus herüberschrie und die Versunkenen ins sinnliche Hier und Jetzt zurückholte. Die wirkliche Natur brach das Klischee von weiblicher Natur und Sexualität als Naturereignis, das die Rose oft und oft versinnbildlichen mußte. Was Puristen als Störung des Films vermerken würden, kam hier dem Konzept der Kuratorin des Programms entgegen: mit der Rose jenes Klischee der Liebe aufzugreifen und zugleich seinen filmischen Brechungen nachzuspüren. Daher wechselten im Programm auch populäre Filme wie Chaplins Monsieur Verdoux oder Rosen für den Staatsanwalt mit avantgardistischen Arbeiten für ein cinéphiles oder kunstinteressiertes Publikum.
Die Rosenlounge stand über drei Wochen hin täglich für das Publikum offen und Künstlerin wie Kuratorin des Filmprogramms waren während dieser Zeit zumeist zugegen und führten viele Gespräche mit den BesucherInnen. Zwei Videoarbeiten liefen permanent, die Filmprogramme zur Eröffnung und an zwei langen Wochenenden. Dazwischen fanden thematisch ebenfalls an der Rose orientierte Einzelereignisse statt wie eine Lesung mit Irm Hermann, ein Musik-Vortrag mit Schellackplatten von Ray Wolff, ein Nachmittag mit der Kochkünstlerin Ono Faller, die Rosenkrapfen buk und schließlich eine große Tombola. Klaus Walter und Hans Romanov unterstützten das Rosen Film Fest, indem sie zur festlichen Eröffnung und zum Abschlußabend Musik auflegten.
Das Rosen Film Fest war nicht nur als ein facettenreiches Ereignis geplant, es gelang zudem, sehr unterschiedliche Publika anzuziehen und die Arbeit der Kinothek Asta Nielsen auch denen nahezubringen, die sonst kaum ins Kino gehen.
(Text: Karola Gramann/Heide Schlüpmann)Die Rosenlounge
Die Bedingungen des Ortes mit den Fragestellungen eines Projektes zu verknüpfen, ist längst zum Ausstellungsprinzip geworden. Wenngleich die gemalten Rosen - …l auf Leinwand - das Herz meiner Arbeit sind, so hört diese jedoch nicht mit dem gefirnissten Bild auf, sondern alle Komponenten, die bei der Veröffentlichung von Kunst eine Rolle spielen, werden virulent und treten hervor. Der Flyer zur Ausstellung wird ebenso zum Objekt, wie die Rauminszenierung selbst. Der Kontext wird von vorneherein einbezogen und in all seinen divergierenden und widersprüchlichen Bezügen thematisiert. Zum einen, weil er der Intention einer künstlerischen Arbeit entgegenwirken und sie sogar ins Gegenteil verkehren kann, zum anderen sind meine Rauminstallationen eine Verlängerung und Erweiterung der Malerei ins Dreidimensionale. Die Ausstellung wird umgekehrt wiederum zum Bild.
Auch die Rosenlounge ist als kompaktes Kunstobjekt geplant, dessen verschiedene Elemente zu einem Gesamtereignis zusammenfließen. Die Rose als verbindendes Motiv lädt ein zu einer Begegnung von gegensätzlichsten Medien - von Film und Malerei - aber auch von Musikevents, Lesungen, Vorträgen und Dufterlebnissen. Die Lounge soll mit einem Rosen-Allover den Ort für diese synästhetische Rosenkonferenz anbieten.
Das Motiv der Rose dient dabei als Impuls, die Auseinandersetzung mit dem Symbol hingegen ist eine Option. Viele Rosen, die auch später in den Filmen auftauchen, folgen ihrer Ikonographie, sind vorgefundene Bilder und Zitate, die der Königin der Blumen ihre Richtung geben. Andere meinen nur sich selbst, den Naturgegenstand, manche erfinden sich neu oder sie weisen geheimnisvolle Bündnisse auf, die die Rose in ganz eigener Weise beschwören und die ergründet werden wollen.Gemalte Rosen und Rosen im Film
Es passiert immer wieder, daß sich insbesondere Filmschaffende bei meinen Rosen an Filmbilder erinnert fühlen: an eine spezifische Lichteinstellung, an besondere Farbgebungen oder spezielle Stimmungen. Ich arbeite allerdings keineswegs nach Filmbildern, es sei denn, es handelt sich um unbewußte, verinnerlichte. Malerei und Film sind zunächst für mich, was die Bildherstellung betrifft, kaum gegensätzlicher denkbar. Während die MalerInnen unter Umständen Wochen und Monate an ein und dem selben Bild hantieren, um sich dann für genau "dies eine" zu entscheiden, haben die FilmerInnen stets eine ganze Bildabfolge zur Verfügung. Das Einzelbild hat nicht ein solches Gewicht, es ist vielmehr ein Beitrag zu einer ganzen Serie von Bildern.
Auch meine Rosen lassen sich jeweils als Beitrag zu einer langjährigen Rosenserie sehen; eine Rose kommt selten allein, sie bringt die nächste schon mit sich. Zwar stehen sie als Portrait oder Rosenprototyp auch für sich, aber indem die Entscheidung zu "dem einen Bild" von Rose zu Rose weitergereicht wird, geht es selten um das einzelne Exponat, wenngleich um das Besondere im Seriellen.(Sabine Hartung, Projektbeschreibung Rosen Film Fest)
"My love is like a red red rose"
(Derek Jarman, Chroma, 1994)Die Rose ist - viele Rosen. Zuweilen mag ihr Name ein einzelnes Exemplar, ein Wunder an Rose, evozieren, öfter aber erscheint vor unseren Augen der Rosenstrauß, den wir gerade geschenkt bekamen, die Rosenbüsche über den Zäunen, an denen wir täglich vorübergehen, manchmal der Rosenbogen aus dem Kindheitsgarten. Die Erinnerung an schwere gelbe Rosen steigt in uns auf, an tiefrote, an weiße und leicht rosa angehauchte. Ein Farbenspektrum, ein Formenreichtum. Ein ganzer Film von Rosen mag halb bewußt in einem Augenblick an uns vorüberziehen, wenn der Name der Rose fällt.
Die Kameraleute sammelten von Beginn des Films an unter vielem anderen auch Rosen, manchmal beiläufig, öfter aber mit einem liebevollen Interesse an gerade dieser Art Erscheinung der Wirklichkeit. Sie wurden vom Anblick eines Kunstwerks der Natur gefesselt wie von dem Wildwuchs der Rosenhecke, deren kleine Blüten bei jedem Windhauch zittern. Der menschliche Blick hinter der Kamera mochte geprägt sein durch Jahrhunderte der Rosenmalerei, der Rosen-Lyrik oder ihrer Alltagsprosa, die Kamera hat gleichwohl die Rose neu entdecken lassen. Davon geht ein Filmprogramm, das sich dem Motiv der Rose
widmet, aus. Nichts ist festgestellt an der filmischen Rose, sie öffnet sich neu allen unseren Sinnen, Träumen, unseren Erinnerungen.Eine Rose ist auch ein Begriff, eine Metapher, ein Symbol. So gesehen hat sie viele Bedeutungshorizonte. Einer, und vielleicht der bekannteste, ist der, den ein männlich-erotischer Blick auf die Frau ihr verleiht. Auch das stiftet ein eigenes Interesse des Films an der Rose. Das Kino ist voller Liebesträume und Liebesgeschichten - ebenfalls von Anfang an. Doch in der Verbindung von Rose und Frau entdeckt sich wieder etwas neu: entdeckt sich beides nun, die Rose, die Frau. Das Drehbuch mochte Goethes Gedicht vom Heideröslein reproduzieren, das es eben leiden muß. Im Film steht die Frau in Wirklichkeit auf und wischt die Männerphantasie von Liebe und Tod beiseite.
Im Film zeigen sich Rosen und Frauen und Männer und alles mögliche, er zeigt uns aber auch Metaphern, Symbole, die die Geschichte produziert hat. Losgelöst aus ihren mentalen Verankerungen treiben sie auf seiner Oberfläche dahin, setzen sich bisweilen an einer aufgenommenen Wirklichkeit fest. Aber nicht unbedingt an dem Körper der Frau. Burt Lancasters Brust trägt die Rose, für die Anna Magnanis Herz schlägt. Und in das Fleisch des Geliebten propft der Liebende, der Rosenkönig, das Rosenreis.
Sicher, Film wurde benutzt, um den Mythos der Rose zu reproduzieren. Doch auch das stellt das Kino aus; es verrät, wie der Kult der Rose viele Verbrechen verdeckt.
Kinematographisch namhaft wurde Monsieur Verdoux - Rosenzüchter und Frauenmörder. Film hingegen, der nicht instrumentell gehandhabt wird, bringt die Rose ins Spiel eines Anarchismus der Liebe: Ephemere. Flüchtig, vergänglich.(Text: Heide Schlüpmann)
Partner und Förderer
Palmengarten Frankfurt
Hessische Filmförderung
Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft
der J.W. Goethe-Universität
Stadt Frankfurt am Main
Hessische Kulturstiftung
Japan Foundation
Hifi Profis
Seetours/Arosa
Kappus Offenbach
Palmengarten Gastronomie & Kultur
Kinothek Asta Nielsen e.V. www.kinothek-asta-nielsen.de