KINO LIEBE

Liebe im Film, Liebe im Kino und zum Kino. Längst fragwürdig, oftmals gebrochen, irgendwie unverwüstlich. Kinoliebe klärte sich seit den späten 60er Jahren nicht mehr unbedingt cinéastisch ab. Das lag am politischen Ferment. Das Begehren ging über die Filme hinaus, an denen es sich entzündete, wandte sich gegen sie, sträubte sich, ihrem Bann zu verfallen, wurde Erfahrung. Diese Reihe ist der unabhängigen, weil engagierten Kinokultur der 70er Jahre gewidmet: Blicke zurück nach vorn.
                                                            Karola Gramann, Heide Schlüpmann

Kino Liebe wurde konzipiert von Karola Gramann und Heide
Schlüpmann, Filmauswahl in Zusammenarbeit mit Gunter Deller.
Begleitend zur Filmreihe findet ein Seminar am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft mit dem Titel The Remains of the Day statt.

Donnerstag, 16 - 20 Uhr, Campus Westend, Raum 7. 312, Q 3, 7. OG.
MAL SEH’N KINO. Adlerflychtstr. 6 · 60318 Frankfurt am Main
Tel: 069-5970845 · Fax: 069-557342
www.malsehn.kino.de · info@malsehnkino.de
Eintritt 6 Euro, mit Gilde-Paß 5 Euro (der Gilde-Paß kostet 6 Euro und gilt
in mehreren Frankfurter Kinos für ein Jahr).
RMV: U5, Haltestelle Musterschule; Bus 36, Nachtbus 2, Haltestelle
Adlerflychtplatz
 

Programm:

IL CONFORMISTA
(Der große Irrtum)

Mittwoch, 7. Nov. 2007 · 20 Uhr

KATZELMACHER

Mittwoch, 14. Nov. 2007 · 20 Uhr

TOKYO MONOGATARI
(Die Reise nach Tokio)

Mittwoch, 21. Nov. 2007 · 17.30 Uhr (geänderte Anfangszeit!)

TRETJA MESTSCHANSKAJA (LJUBOW WTROJEM)
(Bett und Sofa – Dritte Kleinbürgerstraße)

Mittwoch, 5. Dez. 2007 · 20 Uhr
FLAMING CREATURES,
SCORPIO RISING
Mittwoch, 12. Dez. 2007 · 18 Uhr
DIE BETTWURST Mittwoch, 12. Dez. 2007 · 20 Uhr
IN GEFAHR UND GRÖSSTER NOT BRINGT DER MITTELWEG
DEN TOD
Mittwoch, 19. Dez. 2007 · 18 Uhr
L'AGGETTIVO DONNA
(Adjektiv Frau)
Mittwoch, 9. Januar 2008 · 18 Uhr
ICH DENKE OFT AN HAWAII Mittwoch, 9. Januar 2008 · 20 Uhr
WAVELENGTH,
LINE DESCRIBING A CONE
Mittwoch, 23. Januar 2008 · 20 Uhr
THE LADIES MAN (Ich bin noch zu haben / Zu heiß gebadet) Mittwoch, 30. Januar 2008 · 20 Uhr
THE HARDER THEY COME Mittwoch, 30. Januar 2008 · 22 Uhr


Flyer (PDF)


Mittwoch, 7. November 2007 · 20 Uhr
IL CONFORMISTA (Der große Irrtum)
R: Bernardo Bertolucci, I/F/D 1969, 110 Min., 35 mm, Farbe, deutsche Fassung, P: Mars/Marianne/Maran, Pd: Maurizio Lodife, Giovanni Bertolucci, B: Bernardo Bertolucci, nach dem Roman von Alberto Moravia, K: Vittorio Storano, M: Georges Delerue, S: Franco Arcalli, D:Jean-Louis Trintignant, Stefania Sandrelli, Dominique Sanda, Gastone Moschin, Enzo Tarascio, Pierre Clémenti

Bertolucci hat mit Il Conformista offen mit der Filmideologie der sechziger Jahre gebrochen, politisch engagierte und das heißt eindeutige Filme zu machen. Quadri läßt einen Godardschen Wahrspruch ab: »Die Zeit des Nachdenkens ist vorbei. Die Zeit des Handelns ist gekommen«, und das ist ein Satz aus LE PETIT SOLDAT.
Quadri-Godard handelt gleichwohl nicht danach. Zur Aktion schreiten die Faschisten. (Dietrich Kuhlbrodt, 1982)
 

Mittwoch, 14. November 2007 · 20 Uhr
KATZELMACHER

R: Rainer Werner Fassbinder, BRD 1969, 88 Min., 35 mm, schwarzweiß,
P: antiteater-X-Film GmbH, Pd: Peer Raben, B: Rainer Werner Fassbinder
K: Dietrich Lohmann, M: Peer Raben, D: Rainer Werner Fassbinder, Hanna Schygulla, Lilith Ungerer, Elga Sorbas, Doris Mattes, Irm Hermann, Rudolf Waldemar Brem, Harry Baer

Vier Paare von unterschiedlicher Beständigkeit: »Marie (Hanna Schygulla) gehört zu Erich (Hans Hirschmüller), Paul (Rudolf Waldemar Brem) schläft mit Helga (Lilith Ungerer), Peter (Peter Moland) läßt sich von Elisabeth (Irm Hermann) aushalten, Rosy (Elga Sorbas) treibt es für Geld mit Franz (Harry Baer)« (Fassbinder). Dieses System eines labilen Gleichgewichts auch wechselnder und zusätzlicher Verhältnisse gerät in Unordnung, als ein Gastarbeiter, Jorgos (Fassbinder), ein »Griech´ aus Griechenland« eintrifft
und bei Elisabeth ein Zimmer mietet. (Wilhelm Roth, 1974)
 

Mittwoch, 21. November 2007 · 17.30 Uhr (geänderte Anfangszeit!)
TOKYO MONOGATARI (Die Reise nach Tokio)

R: Ozu Yasujiro, J 1953, 105 Min., 16 mm, schwarzweiß, Originalfassung mit englischen Untertiteln, P: Shochiku Ofuna, B: Noda Kogo, Ozu Yasujiro,
K: Atsuda Yushun, M: Saito Takanobu, D: Higashyama Chieko, Yamaura  So, Sukimura Haruko, Hara Setsuko

Die Reise nach Tokio erzählt eine einfache Geschichte. Ein älteres Ehepaar aus der Provinz erfüllt sich einen Lebenswunsch: Es fährt nach Tokio, um die erwachsenen Kinder zu besuchen, die es im sozialen Status einen Schritt weiter gebracht haben als die kleinbürgerlichen Eltern. »An der Geschichte der Eltern und der Kinder habe ich gezeigt, wie das japanische Familiensystem sich aufzulösen beginnt.« (Ozu)
 

Mittwoch, 5. Dezember 2007 · 20 Uhr
TRETJA MESTSCHANSKAJA (LJUBOW WTROJEM)
(Bett und Sofa – Dritte Kleinbürgerstraße)

R: Abram Rom, UdSSR 1927, 73 Min., 35 mm, schwarzweiß, stumm,
Originalfassung mit deutschen Untertiteln, P: Sowkino, B: Viktor
Schlowskij, Abram Rom, K: G. Giber, D: Nikolai Batarow, Ljudmila
Semjonowa, Wladimir Vogel, L. Jurenjew, E. Sokolowa

Der Film behandelt ein delikates Sujet: die Dreiecksbeziehung zwischen
einem Bauarbeiter, seiner Frau und seinem Freund, einem Drucker, der in
Moskau keine Unterkunft bekommt und bei dem Paar auf einem Sofa
nächtigen darf. (Ulrich Gregor/ Enno Patalas, 1973)
 

Mittwoch, 12. Dezember 2007 · 18 Uhr
FLAMING CREATURES

R: Jack Smith, USA 1963, 43 Min., 16 mm, schwarzweiß, OF, K: Jack Smith,
D: Francis Francine, Sheila Bick, Joel Markman, Mario Montez, Arnold Rockwood, Judith Malina, Marian Zazeela

[…] dieser Film birst von sichtbarem Material. Er enthält weder Ideen noch Symbole, weder Kommentar zu noch Kritik an irgendetwas. Er ist ausschließlich ein Fest für die Sinne.
(Susan Sontag, 1968)

SCORPIO RISING
R: Kenneth Anger, USA 1964, 29 Min., 16 mm, Farbe, OF, D: Bruce Byron,
Ernie Allo, Frank Carifi, Steve Crandell, Johnny Doodles, Bill Dorfman,
John Palone, Barry Rubin, Johnny Sapienza

Scorpio Rising ist eine inszenierte Phantasie. Sie spiegelt keine Wirklichkeit, sie transformiert sie. Leder, Chrom und Muskeln sind ihr Ausgangsmaterial, das Endprodukt ist eine musikalisch rhythmisch gegliederte Erzählung der Objekte, die, wenngleich im Genre des experimentellen Films, ein narratives Eigenleben entfalten. (Karsten Witte, 1985)
 

Mittwoch, 12. Dezember 2007 · 20 Uhr
DIE BETTWURST

R: Rosa von Praunheim, BRD 1970, 78 Min., 16 mm auf BetaSP, Farbe,
P: Rosa von Praunheim / ZDF, Pd: Rosa von Praunheim, B: und K: Rosa
von Praunheim, M: div. Schlager, Igor Strawinsk, D: Luzi Kryn, Dietmar
Kracht, Steven Adamczewski

An der schönen Kieler Förde lernen sich Luzi und Dietmar kennen. Das Liebespaar ist ungleich: sie eine üppige Sekretärin in den besten Jahren, er ein Hilfsarbeiter aus Berlin, jung noch und schon mit krimineller Vergangenheit.
[…] Gedreht hat Praunheim den Film in der Kieler Wohnung seiner Tante. An der Ausstattung brauchte er nichts zu ändern. Auch nichts an den Dialogen, die Luzi und Dietmar vor der Kamera improvisierten. Der Film ist (bis auf den Thriller-Schluß) authentisch. (Dietrich Kuhlbrodt,1984)
 

Mittwoch, 19. Dezember 2007 · 18 Uhr
IN GEFAHR UND GRÖSSTER NOT BRINGT DER MITTELWEG DEN TOD

R: Alexander Kluge, BRD 1974, 90 Min., 35 mm, schwarzweiß, P: RKFilm,
B: Alexander Kluge, Edgar Reitz, K: Edgar Reitz, Alfred Hürmer, Günter Hörmann, D: Jutta Winkelmann, Dagmar Böddrich, Norbert Kentrup, Kurt Jürgens, Alfred Edel 45 Min., 16 mm, Farbe

Frankfurt zwischen Karneval und Häuser-kampf. »Zwischendurch taucht auch wieder Kluges Lieblingsdarsteller Alfred Edel auf, in einem Taxi sitzend, das nicht schnell genug den Flughafen erreichen kann, weil es durch den Karneval aufgehalten wird; er sagt
zu sich selbst: `Ich habe eine gewisse Übersicht… die Lage ist hochkompliziert.`« (Ulrich Gregor, 1976)
 

Mittwoch, 9. Januar 2008 · 18 Uhr
L'AGGETTIVO DONNA (Adjektiv Frau)

R+B: Rony Daopoulos, Annabella Miscuglio, Collettivo Femminista di
Cinema, I 1971, 60 Min., 16 mm auf BetaSP, Originalfassung mit deutschen
Untertiteln, P: Centro Sperimentale di Cinematografia

Ein Kollektivfilm aus der italienischen Frauenbewegung. Souverän und
ironisch im Umgang mit der Montage dokumentarischen Materials, zeigt
er, wie die Frau immer als »Adjektiv-Frau«, als Anhängsel des Mannes
definiert wird.
 

Mittwoch, 9. Januar 2008 · 20 Uhr
ICH DENKE OFT AN HAWAII

R: Elfi Mikesch, BRD 1978, 84 Min., 16 mm, schwarzweiß und Farbe, P: Oh Movie/Laurens Straub/ZDF, Pd: Laurens Straub, B: und K: Elfi Mikesch, D: Ruth Rossol, Carmen Rossol, Tito Rossol

Der Ansatz des Films ist dokumentarisch, die Familie ist authentisch, sie ist vor zwei Jahren von Kreuzberg in die Gropiusstadt (Berlin) gezogen. […] In die vier Wände der Neubau-wohnung, über die die Flugzeuge dröhnen, die vollgestopft ist mit Küchengeräten, Lebensmitteln, Papptoast, der aus dem Toaströster springt (hier wohnen keine Körnerfresser, alles Essbare ist garantiert schädlich), müssen viele Fantasien reinpassen, sonst würde die Wohnung wahrscheinlich vor Dumpfheit explodieren.
(Gesine Strempel, 1978)
 

Mittwoch, 23. Januar 2008 · 20 Uhr
WAVELENGTH

R: Michael Snow, Kanada 1967, 45 Min., 16 mm, Farbe

Snow plante »ein Zeit-Monument, in welchem die Schönheit und Traurigkeit der Gleichzeitigkeit gefeiert werden würden«. Er gedachte ein »endgültiges Statement von reinem Film-Raum und reiner Film-Zeit zu versuchen, ein Gleichgewicht aus ´Illusion´ und ´Fakten´.«
(Hans Scheugl / Ernst Schmidt jr., 1974)

LINE DESCRIBING A CONE
R: Anthony McCall, GB 1973, 31 Min., 16 mm, schwarzweiß, stumm

Umkehrung der Kinoverhältnisse, nicht die Projektion macht den Film sichtbar, sondern der Film die Projektion.



 

Mittwoch, 30. Januar 2008 · 20 Uhr
THE LADIES MAN (Ich bin noch zu haben / Zu heiß gebadet)

R: Jerry Lewis, USA 1960/61, 95 Min., Farbe, Originalfassung, P: Jerry Lewis Prod., Pd: Jerry Lewis, B: Jerry Lewis, Bill Richmond, K: W. Wallace Kelley, M: Walter Scharf, D: Jerry Lewis, Helen Traubel, Pat Stanley, Kathleen Freeman, Buddy Lester, Gloria Jean, Hope Hollyday, Sylvia Lewis

Jerry, Collegeabgänger, von seiner Jugendliebe verlassen, erfüllt von tiefer Angst vor den Frauen, findet sich als einziger Mann in einer Pension für junge Damen wieder…
Filme von Jerry Lewis sind nur unter größten Schwierigkeiten und aus dem Ausland zu beschaffen, deshalb ist eine Titeländerung möglich.
 

Mittwoch, 30. Januar 2008 · 22 Uhr
THE HARDER THEY COME

R: Perry Henzel, Jamaica 1972 , 88 Min., 35 mm, Farbe, Originalfassung mit dt. Untertiteln, P: Perry Henzel, Jeff Scheftel, B: Perry Henzel, Trevor T. Rhone, K: Peter Jessop, David McDonald, Franclyn St. Juste, M: Jimmy Cliff, Desmond Dekker, D: Jimmy Cliff, Janet Bartley, Carl Bradshaw, Ras Daniel Hartman, Basil Keane, Bob Charlton, Winston Stona, Lucia White, Volair Johnson, Beverly Anderson, Clover Lewis, Elijah Jambers, Brince Buster, Ed »Bim« Lewis, Bobby Loban

The Harder They Come ist viel mehr als nur ein Film für neugierige Reggae-Adepten. Es ist ein hervorragend gemachter Film im Geist von Cassavetes, Fuller, ja sogar Godard. Berühmt für seinen tollen Soundtrack, ist der Film beileibe kein Musical. Er ist eine ungeschönte Momentaufnahme des Lebens in Jamaica.

 

Programm als PDF-Dokument

Kinothek Asta Nielsen e.V. www.kinothek-asta-nielsen.de