Einladung zu einer Reise - L'Invitation au voyage
Germaine Dulac
Film-Retrospektive und Internationales Filmsymposion
31.Oktober - 3.November 2002
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Eine Veranstaltung der Kinothek Asta Nielsen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Kino im Deutschen Filmmuseum, schauspielfrankfurt und ZDF/ARTE
Veranstaltung
Im Herbst 2002 wird im Rahmen eines Symposions das filmische und das theoretische Werk der französischen Regisseurin Germaine Dulac vorgestellt und diskutiert. Zwar war Dulac eine der wenigen frühen Regisseurinnen, die in der Filmgeschichte überliefert worden sind, doch wird ihr Werk bis heute nur sehr partiell wahrgenommen. Ein Großteil ihrer Filme ist unbekannt. Als zeitweilige Leiterin der französischen Filmclubbewegung stand die Regisseurin im Zentrum der filmkritischen- und theoretischen Debatten im Frankreich der Zwanzigerjahre und hat außerdem gegen Ende der Stummfilmzeit mit ihren filmhistorischen Artikeln wesentlich zur Überlieferung der ersten französischen Avantgarde, der neben ihr auch Jean Epstein, Louis Delluc und Marcel L'Herbier angehörten, beigetragen.
Für Germaine Dulac, die die zunehmende Diskrepanz zwischen technischem Fortschritt und sozialem Konservatismus sehr genau registrierte, war das filmpolitische und -ästhetische Engagement stark mit aufklärerischen und emanzipatorischen Absichten und Hoffnungen verbunden: sie ist als erste feministische Filmemacherin in die Geschichte eingegangen. Sie hat sowohl kommerzielle Serienfilme wie auch innovative Werke realisiert, die sich in erster Linie mit der Frage beschäftigten, wie im Kino neben dem Zuschauer auch die Zuschauerin erreicht werden kann.
In "L'Invitation au voyage" (1927), zu dem Dulac auch das Drehbuch selber geschrieben hat, wird sie sich vermehrt mit der Wahrnehmung im Kino beschäftigen, mit dem Verhältnis von Identifikation und Begehren sowie mit der Frage nach der physischen Wirklichkeit im Film. In diesem Film sind diese Themen mit einer systematischen formalen Dekonstruktion verbunden, die mit der Weiterentwicklung von Dulacs filmtheoretischem Konzept einhergeht. Darin steht das Bild, d.h. die Einstellung in ihrem zeitlichen und rhythmischen Kontext im Zentrum. Es wird in einen musikalischen und poetischen Zusammenhang gestellt, der durch eine assoziative, diskontinuerliche und rhythmische Kombination von Einstellungen entsteht. Das imaginäre innere Bild der Zuschauerinnen und Zuschauer wird mitgedacht. Dulacs Kino ist also ein Ort des intensiven Austauschs zwischen inneren und äußeren Bildern, ein Ort der Vermittlung zwischen Innen- und Außenwelt. Die Gegenseitigkeit von objektivem auf die Leinwand projiziertem und subjektiv phantasiertem Bild verdichtet sich in ihrem Bewegungskonzept zur "Essenz des Kinos".
Vor allem auch als Theoretikerin ist Dulac unterschätzt. Im Laufe der Neunzigerjahre wurden wichtige Teile von ihrem Werk zugänglich gemacht: so ist Dulacs umfangreicher Nachlaß, der sich in der Pariser Bibliothèque du Film (BiFi) befindet, erschlossen worden. 1994 sind die wichtigsten Schriften von Dulac erschienen (Herausgeber Prosper Hillairet) und außerdem sind einige ihrer vergessenen Filme zum Vorschein gekommen und restauriert worden, wie etwa "La Belle Dame sans Merci" (1920) oder "L'Invitation au voyage" (1927). Auch wurde in der Cinémathèque von Toulouse eine Kopie von "Le Cinéma au service de l'histoire", einem Kompilationsfilm aus dem Jahre 1935 entdeckt und in der Zeitschirft "Archives" ausführlich vorgestellt. So werden die Konturen dieses ebenso faszinierenden wie heterogenen filmischen Werks immer sichtbarer.
Am Frankfurter Dulac-Symposion wird nun erstmals das ganze noch vorhandene und zugängliche filmische Werk von Dulac zu sehen sein. Außerdem soll auch die filmpolitische und -theoretische Arbeit von Dulac vorgestellt und diskutiert werden.
Catherine Silberschmidt
Pressemitteilung
Germaine Dulac
Film-Retrospektive
und Internationales Symposion
31.10. - 3.11.2002
Eine Veranstaltung der Kinothek Asta Nielsen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Kino im Deutschen Filmmuseum, schauspielfrankfurt und ZDF/ARTE
Die Einladung zu einer Reise -
L'Invitation au voyageD>ie Kinothek Asta Nielsen lädt ein zu einer Entdeckungsreise in die Welt des frühen Kinos.
Beginnend mit einer Eröffnungssoiree, die in Zusammenarbeit mit ZDF/Arte und dem schauspielfrankfurt am 31. Oktober im Großen Haus des Schauspiels stattfindet, soll das in Vergessenheit geratene filmische Werk der französischen Regisseurin Germaine Dulac (1882 - 1942) wiederaufgeführt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.Als erste feministische Filmemacherin und zeitweilige Leiterin der französischen Filmclubbewegung, stand Germaine Dulac, die im Kontext des französischen Surrealismus arbeitete, in den 20er Jahren im Zentrum filmkritischer- und theoretischer Debatten und hat gegen Ende der Stummfilmzeit mit ihren filmhistorischen Artikeln wesentlich zur Überlieferung der ersten französischen Avantgarde beigetragen.
Inzwischen ist Dulacs umfangreicher Nachlaß, der sich in der Pariser Bibliothèque du Film (BiFi) befindet, erschlossen worden und einige ihrer vergessenen Filme sind zum Vorschein gekommen und wurden restauriert.Zwei dieser Filme, La Belle Dame sans Merci (1920) und L'Invitation au Voyage (1927) werden am 31.10.2002 im schauspielfrankfurt mit Live-Musikbegleitung zur Aufführung gebracht.
La Belle dame sans merci in der international vielbeachteten Fassung von Maud Nelissen (Klavier: Maud Nelissen, Gesang: Wynanda Zeewaarder (Sopran) und Willem Korteling (Tenor)), die unter anderem schon 1997 beim Festival Il Cinema Ritrovato in Bologna aufgeführt wurde.
Für L'Invitation au voyage hat ZDF/Arte einen Kompositionsauftrag an Catherine Milliken, Frankfurt, vergeben. Die Welturaufführung der neuen Filmmusik für sechs Instrumental-Solisten wird am 31.10.2002 im schauspielfrankfurt stattfinden.Vom 1. - 3. November 2002 zeigt das Kino im Deutschen Filmmuseum, Frankfurt, ebenfalls mit Musikbegleitung (Eunice Martins, Hauspianistin des Kino Arsenal, Berlin) das gesamte derzeit zugängliche filmische Werk Germaine Dulacs. Eröffnet wird die Filmreihe mit einem Vortrag der Filmwissenschaftlerin und Dulac-Expertin Catherine Silberschmidt (Zürich). Allen präsentierten Filmen geht eine Einführung voraus.
Den dritten Teil der Veranstaltung bildet ein Workshop, bei dem 50 Teilnehmer/innen die Möglichkeit zu einer intensiven Diskussion des gesichteten Filmmaterials der Dulac und ihrer filmtheoretischen und politischen Arbeit nutzen können. Der Workshop findet in Zusammenarbeit mit dem Institut für Theater-,Film- und Medienwissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt statt, internationale Gäste aus den Bereichen Filmkritik, Filmwissenschaft, Publizistik und Kinoarbeit konnten gewonnen werden, die Diskussion mit ihren Beiträgen zu bereichern.
Die Ergebnisse des Workshops und im Zuge der gemeinsamen Arbeit entstandene Texte der Teilnehmer und Teilnehmerinnen veröffentlicht 2003 die Zeitschrift Frauen und Film.Internationale Gäste des Symposions: Yann Beauvais, Elaine Burrows, Prof. Dr. Richard Dyer, Annette Förster, Miles Mc Kayne, Prof. Dr. Charles Masser, Dr. Nia Perivolaropoulon, Dr. Claudia Preschl, B. Ruby Rich, Catherine Silberschmidt, Tami M. Williams.
Im Anschluß an die Veranstaltung in Frankfurt wird die Retrospektive der Filme von Germaine Dulac von den Freunden der Deutschen Kinemathek Berlin, Kino Arsenal in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Berlin / Stiftung Deutsche Kinemathek übernommen.
Presse-Kontakt:
Kinothek Asta Nielsen e.V.
Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitNina Steinhilber
Fax: +49 (0) 69. 79 83 20 78
Nina.Steinhilber@gmx.de
Programm
Filmretrospektive Germaine Dulac
(31. Oktober bis 3. November 2002)Donnerstag, 31.10. 02
schauspielfrankfurt,
Großes Haus
19.00 UhrEintritt 10 €
Projektion:
Stumpf Kinotechnik
Eröffnungssoirée
L'Invitation au voyage
F 1927, 35mm, Farbe (tinting), 35', 797m, ohne ZwischentitelMusikbegleitung: Catherine Milliken u.a.; Musik für 6 Instrumental-Solisten Welturaufführung einer Komposition in Auftrag von ZDF/ARTE
La Belle dame sans merci
F 1921, 35mm, Farbe (tinting und toning), 89', 781m, franz. ZwischentitelMusikbegleitung: Maud Nelissen (Klavier), Wynanda Zeewaarder (Sopran), Willem Korteling (Tenor)
Freitag, 1.11. 02
Kino im Deutschen Filmmuseum
18.00 Uhr
Un Peu de rêve sur le faubourg
F 1930, 35mm, s/w, 10', 226m, franz. Zwischentitel
La Souriante Mme. Beudet
F 1922, 35mm, s/w, 38', 773m, franz & dt. Zwischentitel
Kino im Deutschen Filmmuseum
19.30 Uhr
Musikbegleitung der Filme im Kino im Deutschen Filmmuseum:
Eunice Martins (Klavier, Hauspianistin des Kino Arsenal, Berlin)
Maud Nelissen (Klavier)
Daniel Kothenschulte (Klavier)
Festvortrag
Catherine Silberschmidt, Zürich
Disques 957
F 1929, 35mm, s/w, 6', 97m, ohne Zwischentitel
Thèmes et Variations
F 1929, 35mm, s/w, 12', 195m, ohne Zwischentitel
Etudes cinématographiques sur une arabesque
F 1929, 35mm, s/w, 9', 140m, ohne Zwischentitel
Danses Espangoles
F 1930, 35mm, s/w, 7', 160m, ohne Zwischentitel
La Cigarette
F 1919, 35mm, s/w, 56' 1156m, franz. Zwischentitel
Kino im Deutschen Filmmuseum
22.30 Uhr
La Princesse Mandane
F 1928, 35mm, s/w, 74', 1775m, franz. ZwischentitelSamstag, 2.11. 02
Kino im Deutschen Filmmuseum
18.00 Uhr
La Mort du soleil
F 1922, 35mm, s/w, 96', 1684m, franz. Zwischentitel
Kino im Deutschen Filmmuseum
20.30 Uhr
La Fête espagnol
F 1919, 35mm, Farbe (tinting und toning), 170m, ohne ZwischentitelLa Coquille et le clergyman
F 1927, 35mm, s/w, 39', 781m, niederl. Anfangstitel
La Folie des vaillants
F 1926, 35mm, 46', 844m, franz. ZwischentitelKino im Deutschen Filmmuseum
22.30 Uhr
La Diable dans la ville
F 1924, 35mm, s/w, 80', 1629m, franz. Zwischentitel
Sonntag, 3.11. 02
Kino im Deutschen Filmmuseum
18.00 Uhr
Ame d'Artiste
F 1924, 35mm, s/w, 100', 2032m, franz. Zwischentitel
Kino im Deutschen Filmmuseum
20.30 Uhr
Autrefois aujourd'hui
F 1930, 35mm, s/w, 7', 177m, ohne Zwischentitel
Celles qui s'en font
F 1930, 35mm, s/w, 6', 130m, ohne Zwischentitel
Ceux qui ne s'en font pas
F 1930, 35mm, s/w, 6', 133m, ohne Zwischentitel
Le Retour à la vie
F 1936, 35mm, s/w, 11', 305m, franz. Zwischentitel, Regie: Germaine Dulac und Jean Brérault
Le Cinéma au service de l'histoire
F 1937
Kino im Deutschen Filmmuseum
22.30 Uhr
Antoinette Sabrier
F 1928, 35mm, Farbe (tinting), 66', 1517m, franz. Zwischentitel
Sonntag, 17.11.2002
Kino im Deutschen Filmmuseum
Gossette
Matinée, 11 bis 16 Uhr
Veranstaltungsorte:
schauspielfrankfurt
Willy-Brandt-PlatzKino im Deutschen Filmmuseum
Schaumainkai 41
60596 Frankfurt am Main
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Kinothek Asta Nielsen e.V. www.kinothek-asta-nielsen.de