Darkroom - Liebe im Kino

konzept
Programm (ab Jan. 2005)
gezeigtes Programm Nov/Dez. 2004

Zeitungsartikel über Darkroom


Begleitende Veranstaltung:

14. + 15.Januar 2005
Die Filmdiva. Versuche einer Annäherung

 


Erläuterungen zum Filmprogramm

Konzept Symposion
Referentinnen und Referenten
Vorträge
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DARK ROOM: Liebe im Kino wird unterstützt durch die Stadt Frankfurt am Main, das Cornelia Goethe Centrum, die J. W. Goethe-Universität und das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst.



KONZEPT

Mit Darkroom - Liebe im Kino veranstaltet die Kinothek Asta Nielsen e.V. über ein Jahr hin eine Filmreihe, die an unterschiedlichen Orten Frankfurts und mit verschiedenen Kooperationspartnern stattfindet.

Dieses Filmprogramm verfolgt das Interesse, die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass Filme eine ganz bestimmte Geschichtsschreibung ermöglichen. Zu einer Geschichte des Alltags, einer Geschichte der Frauen - wie sie inzwischen von französischen Historikern und Historikerinnen vorgelegt wurde - könnte der Film beitragen, was keine andere Quelle zu vermitteln vermag. Noch viel mehr gilt das für eine noch ausstehende Geschichte der Liebe. Hier bildet die Filmgeschichte ganz offensichtlich eine einzigartige Überlieferung.

Das Projekt der Kinothek Asta Nielsen wird wissenschaftlich unterstützt. Seit längerem zeigt die Frankfurter Sexualwissenschaft ein Interesse an der Arbeit mit Film. Das Programm nimmt dieses Interesse auf und wird daher von einem interdisziplinären Seminar begleitet, das von der Filmwissenschaft und der Sexualwissenschaft gemeinsam veranstaltet wird.

Liebesfilme, Sexszenen sind die Darstellungen dessen, was die Sexualwissenschaft diskutiert. Gleichzeitig aber ist für sie das Kino ein Ort, an dem sie ihre eigenen Erkenntnisse und Theorien überprüfen kann. Denn dort, auf der "Couch des Armen" (Felix Guattarí) tritt das Dargestellte mit den "Patienten", den Zuschauern und Zuschauerinnen, ohne die Zwischenschaltung des Analytikers, des Wissenschaftlers, wieder in Verbindung.

Zu solchem prüfenden Beobachten des Sexualwissenschaftlers muss die Reflexion der kinematografischen Form hinzutreten. Daher ist die interdisziplinäre Arbeit nicht nur für die Filmwissenschaft (die eine Verbindung mit der Psychoanalyse schon lange eingegangen ist), sondern auch für die Sexualwissenschaft ungemein produktiv.

Die Filme werden im Kino mit Einführungen präsentiert, das Publikum ist zur Teilnahme an den Filmdiskussionen des interdisziplinären Seminars eingeladen.

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DARK ROOM: Liebe im Kino

FILMPROGRAMM

Die Filmreihe DARK ROOM: Liebe im Kino ist eine Zusammenarbeit der Kinothek Asta Nielsen e. V. mit der Filmprofessur und dem Institut für Sexualwissenschaft der J. W. Goethe-Universität zu einem Seminar von Prof. Heide Schlüpmann und Prof. Martin Dannecker. Das Programm wird kuratiert von Karola Gramann und findet zwischen November 2004 und Februar 2005 in Frankfurt am Main statt.

Partner sind das Kino im Deutschen Filmmuseum, das MAL SEH'N KINO und schauspielfrankfurt.

Wir danken dem Deutschen Filmmuseum für die Unterstützung bei der Kopienrecherche.

Aktuelles Programm:

12. Januar 2005. 20.30 Uhr. Kino im Deutschen Filmmuseum.
Schaumainkai 41. Tel.: (069) 212-38830
Stage Door
USA 1937, R. Gregory La Cava, sw, 35mm, OF, 90 Min. Mit Katharine Hepburn, Ginger Rogers
Lebens- und Arbeitsverhältnisse von Frauen stehen hier im Zentrum - heterosexuelle Affairen wirken wie Anhängsel, Männer erweisen sich als Agenten der Repression und sexuellen Ausbeutung. In dieser Trennung zwischen heterosexuellen Verhältnissen und einem Lebenszusammenhang unter Frauen kommt Liebe als Solidarität der Unterdrückten ergreifend zum Ausdruck. (Heide Schlüpmann)

14. Januar 2005. 20.00 Uhr. Kino im Deutschen Filmmuseum.
Schaumainkai 41. Tel.: (069) 212-38830

Mirror
D 2003, R. Matthias Müller, Christoph Girardet, Farbe, 35mm cinemascope,
8 Min.

Mirror ist ein Film der Trance und des Transfers, der Entfremdung und der Sehsucht, inspiriert von Moravia und Resnais. Ein elegischer Glamour liegt in diesem Filmpoem, eine schöne Ernsthaftigkeit. (Hans Schifferle, SZ, 8/04)

Casta Diva
Bel 1983, R. Eric de Kuyper, sw, 16mm, 110 Min. Mit Emile Poppe, Jack Post, Paul Ruven, Paul Verstraten
Die stillstehende Kamera zeigt unwiderstehliche, doch unerreichbare Männer, die sich vor einem Spiegel Krawatten binden, rasieren, ihre Haare schneiden oder andere alltägliche Dinge verrichten. De Kuyper kreiert eine schwule Ästhetik, die die ZuschauerInnen berauscht und verführt.
Im Rahmen des Symposions "Die Filmdiva. Versuche einer Annäherung"
In Anwesenheit von Matthias Müller und Eric de Kuyper

15. Januar 2005. 20.30 Uhr. Kino im Deutschen Filmmuseum.
Schaumainkai 41. Tel.: (069) 212-38830
Tonight or Never
USA 1931, R. Mervyn LeRoy, sw, 35mm , OF, 82 Min.
Mit: Gloria Swanson, Melvyn Douglas
Tonight or Never gilt als "one of the sexiest if not the sexiest film" aller Zeiten. Und er ist bei weitem der beste Film, den Gloria Swanson gemacht hat. Eine weitere Feder an dem ohnehin reich gezierten Hut des Regisseurs Mervyn LeRoy. (Katalog Biennale di Venezia 1999)
Im Rahmen von "Die Filmdiva. Versuche einer Annäherung"

19. Januar 2005. 20 Uhr. MAL SEH'N KINO.
Adlerflychtstr. 6. Tel.: (069) 5970845
Der Kuss der Tosca (Il Bacio di Tosca)
CH 1984, R. Daniel Schmid, Farbe, 35mm, OmU, 87 Min.
Ein poetischer Dokumentarfilm über alternde Opernstars, die in einem Mailänder Künstler-Altenheim leben, einer Guiseppe Verdi-Stiftung. (Verleih)

2. Februar 2005. 20 Uhr. MAL SEH'N KINO.
Adlerflychtstr. 6. Tel.: (069) 5970845
GI Blues
USA 1960, R. Norman Taurog, Technicolor, 35mm, OF, 90 Min. Mit Elvis Presley
Die Filme von Elvis Presley machen sich nie die Mühe zu verbergen, dass sie eigentlich nur die Folie für eine Serie von Auftritten Elvis' sind. Das Grandiose der Filme ist, dass in ihnen die Faszination des Rockidols in seinen Gesten, in der Mimik, den Bewegungen wieder gegenwärtig wird. (Heide Schlüpmann)


Bisher gezeigtes Programm (November/Dezember):

3. November 2004. 20 Uhr. MAL SEH'N KINO.
Adlerflychtstr. 6. Tel.: (069) 5970845
Paris is Burning
USA 1990, R. Jennie Livingston, Farbe, 16mm, OmU, 71 Min.
Für mich ist klar, daß der Prachtentfaltung des drag in Paris is Burning sowohl ein Sinn von Niederlage als auch ein Sinn von Aufstand abzugewinnen ist, daß der drag, den wir sehen, der drag, der letztlich für uns ins Bild gesetzt ist, für uns gefilmt ist. (Judith Butler, Körper von Gewicht)
Präsentation in Zusammenarbeit mit Nitribitt - Frankfurter Ökonomien
Ermöglicht durch die freundliche Unterstützung des Café Größenwahn

16. November 2004. 20.30 Uhr. Kino im Deutschen Filmmuseum.
Schaumainkai 41. Tel.: (069) 212-38830
Operation Petticoat
USA 1959, R. Blake Edwards, Farbe, 16mm, OF, 124 Min. Mit Cary Grant, Tony Curtis
Komödie über einen Marine-Offizier, der sich mit einem klapprigen (und rosa farbenen) U-Boot, einem betrügerischen ersten Offizier und einer Gruppe von Armeekrankenschwestern herumschlagen muss. Der Film ironisiert Geschlechter-Klischees und bricht sie dadurch auf.



aus: Jerry Vermilye: Cary Grant. Seine Filme - sein Leben. 
München 1979, S.163.
          

24. November 2004. 20.30 Uhr. Kino im Deutschen Filmmuseum.
Schaumainkai 41. Tel.: (069) 212-38830
Belle de Jour
F/I 1967, R. Louis Bunuel, Farbe, 35mm, vorauss. OmeU , 101 Min. Mit Catherine Deneuve, Michel Piccoli
Buñuels Belle de Jour ist die Geschichte einer „amour fou“, eine Meditation über die Verzweiflung des Individuums an sich selbst, die dramatische Vivisektion des Charakters einer Frau, für die der Begriff der Prostitution mit dem persönlichen Freiheitswillen unlösbar verknüpft ist. In Catherine Deneuve fand sie ihre Idealverkörperung. (Marc Hairapetian, Filmdienst 21/2004)

 

Belle de Jour, 1967. aus: S.Ann Lloyd: The History of the movies, 
London / Sydney 1988, S.378.
          

15. Dezember 2004. 20.30 Uhr. Kino im Deutschen Filmmuseum.
Schaumainkai 41. Tel.: (069) 212-38830
Der Nachtportier (Il Portiere di Notte)
I/USA 1974, R. Liliana Cavani, Farbe, 35mm, DF, 122 Min. Mit Dirk Bogarde, Charlotte Rampling
IL PORTIERE DI NOTTE ist eine Love Story, aber keine sterotype und einfältige wie wir sie von Eric Segal kennen, vielmehr zeigt sie in vielschichtiger Weise Liebe als Strafe, Selbstlosigkeit und Tod. (Teresa de Lauretis, Film Quarterly, No. 2 1976-1977).



Charlotte Rampling in "Der Nachtportier"



16.Dezember 2004. 22 Uhr. MAL SEH'N KINO.
Adlerflychtstr. 6. Tel.: (069) 5970845
SICK: THE LIFE AND DEATH OF BOB FLANAGAN, SUPERMASOCHIST
USA 1997, R. Kirby Dick, Farbe, 35mm, OF, 90 Min. Mit Bob Flanagan, Sheree Rose
Bob Flanagan, Autor und Performance-Künstler, starb 1996 an der Lungenkrankheit Mukoviszidose. Sein Leben war von Anfang an durch große Schmerzen gekennzeichnet. Seine Art, mit dieser Situation umzugehen, war, sich selber Schmerzen zuzufügen, um somit nicht nur Kontrolle über sie zu gewinnen, sondern auch zu versuchen, diese Qual in Lust zu verwandeln. (Exitfilm)
Einführung von Frank Neumann.

Der Film läuft auch am 17. und 18.12. um 22 Uhr

19. Dezember 2004. 22 Uhr. MAL SEH'N KINO.
Adlerflychtstr. 6. Tel.: (069) 5970845
Die Geschichte der O (Histoire d'O)
F 1975, R. Just Jaeckin, Farbe, 35mm, DF, 105 Min. Mit Corinne Clery, Udo Kier
Die O ist Produkt einer Macht, die sie aus bestimmten Räumen ausschließt, sie aber eng mit anderen verbindet; die ihr den Zugang zur Sprache verwehrt, aber verlangt, dass sie schreit und jammert; die sie nötigt, einzelne Accessoires aus ihrer Garderobe zu entfernen, aber fordert, sie durch andere zu ersetzen; und die sie davon abhält, in die Gesichter von Männern zu schauen, sie aber zwingt, auf deren Penisse zu starren. (Kaja Silverman, Enclitic, no. 2, 1983)

22. Dezember 2004. 20.30 Uhr. Kino im Deutschen Filmmuseum.
Schaumainkai 41. Tel.: (069) 212-38830
Shanghai Express
USA 1932, R. Josef von Sternberg, sw, 35mm, OF, 80 Min. Mit Marlene Dietrich
Es mutet schwierig an, das Schauspiel Marlene Dietrichs unabhängig vom Ton, den Lichtvaleurs, den Requisiten und Kostümen zu betrachten. Dies verdankt sich dem Umstand, dass jede Komponente des Films ein anderes Teilstück vervollständigt. (Carole Zucker, Cinema Journal, No. 2, 1980)


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Begleitende Veranstaltung

DIE FILMDIVA. VERSUCHE EINER ANNÄHERUNG

Symposion mit Vorträgen, Publikumsgesprächen und Filmen
im Rahmen der Filmreihe Dark Room: Liebe im Kino

14. und 15.1.2005
schauspielfrankfurt (Glashaus und Zwischendeck) und Kino im Deutschen Filmmuseum

Was ist eine Diva? Der Filmdiva haftet - im Unterschied zum Star - etwas Tragisches an, ein lebensgeschichtliches Scheitern, das den Glanz ihrer artifiziellen Erscheinung bricht. Daraus entsteht eine existentielle Nähe zu ihrem Publikum: sie gibt sich wirklich ganz. Ihr ist ein geschlechtliches Oszillieren eigen - repräsentiert sie etwa ein Geschlecht, das es noch gar nicht gibt?

Programm

Freitag, 14.1.2005
schauspielfrankfurt (Glashaus)

16 Uhr
Begrüßung Karola Gramann (Frankfurt a. M.)

Heide Schlüpmann (Frankfurt a. M.)
"Der Auftritt der Diva"

Martin Dannecker (Frankfurt a. M.)
"Der Stoff der Diva"

Im Anschluss Diskussion beider Vorträge, Moderation Karola Gramann

Kino im Deutschen Filmmuseum

20 Uhr
Mirror
BRD 2003, R. Matthias Müller, Christoph Girardet, Farbe, 35mm Cinemascope,8 Min.
"Mirror ist ein Film der Trance und des Transfers, der Entfremdung und der Sehnsucht, inspiriert von Moravia und Resnais. Ein elegischer Glamour liegt in diesem Filmpoem, eine schöne Ernsthaftigkeit." (Hans Schifferle, SZ, 8/04)

Casta Diva
Bel 1983, R. Eric de Kuyper, sw, 16mm, 110 Min.
Mit Emile Poppe, Jack Post, Paul Ruven, Paul Verstraten
Die stillstehende Kamera zeigt unwiderstehliche, doch unerreichbare Männer, die sich vor einem Spiegel Krawatten binden, rasieren, ihre Haare schneiden oder andere alltägliche Dinge verrichten. De Kuyper kreiert eine schwule Ästhetik, die die ZuschauerInnen berauscht und verführt.

In Anwesenheit von Eric de Kuyper und Matthias Müller

Samstag, 15.1.2005
schauspielfrankfurt (Glashaus und Zwischendeck)

11 Uhr Vortrag
Katharina Sykora (Braunschweig)
Ava: Göttliches Palindrom

anschließend Diskussion, Moderation Sabine Nessel

12.30 Uhr
Home Stories
BRD 1990, R. Matthias Müller, Farbe, 16mm, 6 Min.
Nicht mit der Hülle, sondern mit der räumlichen Organisation des Hauses, wie sie im Film repräsentiert wird, setzt sich Matthias Müllers Home Stories auseinander. Die Hollywoodmelodramen, sein zugrundeliegendes Material, sind im tatsächlichen und psychologischen Raum des Heims und der Familie angesiedelt: Der häusliche Raum wird zu einem komplexen Terrain sozialer und sexueller Bedeutungen, die sich unter anderem in räumlichen Oppositionen zwischen Obergeschoss (privat) und Untergeschoss (öffentlich) und der Fokussierung auf Treppen oder Türen als Verbindungen dazwischen äußern. Die Schwierigkeiten der weiblichen Charaktere zu kommunizieren, spiegeln sich in einer expressiven mise en scène, die Müller durch seine Montage noch auf die Spitze treibt. (Katharina Menzel, „Hausordnungen“, Ausstellungskatalog, stadthaus Ulm, 2002)

Dear Madonna
Can 1996, R. Mike Hoolboom, Farbe, 16 mm, OF, 12 Min.
Hoolbooms Film ist eine eigenwillige Hommage an den Popstar Madonna: er verfremdet deren Musikclip zu „Express Yourself“ – eine von „Metropolis“ inspirierte Fabrikszenerie –, indem er den fiktiven Brief eines Fabrikarbeiters zwischen die Hochglanzbilder einblendet. Dessen Text wirft ein ironischen Blick auf das im Video gezeigte Verhältnis zwischen Boss (Madonna als erotische Fabrikbesitzerin) und Arbeitern (muskolöse Beaus).

Live to Tell
Can 2003, R. Benny Nemerowsky Ramsay, Farbe, Betacam SP, OF, 5 Min.
Benny Nemerofsky Ramsay ist bekannt für seine Affinität zu Popmusikvideos. Hier präsentiert er sich in einem leeren Raum, der von mehreren Überwachungskameras beobachtet wird. Die Schwarzweißbilder – in einem Multiscreen gleichzeitig zu sehen – zeigen ihn, wie er die verschiedenen Stimmen des Songs „Live to Tell“ von Madonna singt. Der sterilen Atmosphäre kommt dabei eine traurige Einsamkeit zu.

15 Uhr Vortrag
Richard Dyer (Warwick)
The Song of the Diva. Judy Garland, Julie Andrews and Mina

anschließend Diskussion, Moderation Annette Brauerhoch

16 Uhr
Puce Moment
USA 1949, R. Kenneth Anger, Farbe, 16mm, OF, 6 Min.
Mit Yvonne Marquis
Angers Puce Moment steht exemplarisch für die Motive seines Gesamtwerks: er zeigt die Dekadenz und Morbidität des frühen Hollywoods, berauscht sich an prachtvollen Garderoben und üppigen Interieurs und entfaltet über seinen Fetischismus eine Intensität, die die Wolllust des Filmemachers an das Publikum überträgt.

Diva Dolorosa
Ned 1999, R. Peter Delpeut, Farbe/sw, Betacam SP, OF, 60 Min.
(TV-Fassung), Niederländisch, Übersetzung wird eingesprochen
Die aus Stummfilmen kompilierte Arbeit erweist sich als Reminiszenz an die Diven des frühen italienischen Kinos. Schauspielerinnen wie Lyda Borelli, Pina Menichelli oder Francesca Bertini entwickelten ein Spiel vor der Kamera, das von der Intensität sexueller Körperlichkeit geprägt war. Sie kreierten so ein Frauenbild, das nicht nur die herrschende Moral unterlief, sondern in seiner vitalen Fülle ein Liebesverhältnis mit dem Publikum stiftete. Peter Delpeut empfindet ihre Filme denn auch als „einen einzigen langen Kuss“.

im Anschluss:
Publikumsgespräch mit Eric de Kuyper (Brüssel) und Matthias Müller (Köln)
(Ende 17:30 Uhr)

Kino im Deutschen Filmmuseum

20.30 Uhr
Tonight or Never
USA 1931, R. Mervyn LeRoy, sw, 35mm, OF, 82 Min.
Mit Gloria Swanson, Melvyn Douglas

Das Symposion ist eine Veranstaltung der Kinothek Asta Nielsen e. V. und des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der J.W.G.-Universität in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmmuseum, schauspielfrankfurt und dem Institut für Sexualwissenschaft der J.W.G.-Universität. Es wird kuratiert von Karola Gramann.

Die Filmdiva. Versuche einer Annäherung wird gefördert durch die Stadt Frankfurt am Main, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen der J.W.G.-Universität, das Cornelia Goethe Centrum und das International Office der J.W.G..-Universität.

schauspielfrankfurt
Willy-Brandt-Platz / Tel: 069-1340400
Eintritt: Freitag 6 €, erm. 4,50 € / Samstag 10 €, erm. 5 €

Deutsches Filmmuseum
Schaumainkai 41 / Tel.: 069-212-38830
Einrtitt: 5,50 € / 4,50 € (ermäßigt)

Seminar zur Filmreihe, Donnerstag 16-18 Uhr
Ort: IG Farbenhaus, Campus Westend, Grüneburgplatz 1, 7. Stock, Q 3, Filmseminarraum. Das Publikum ist zur Diskussion der Filme eingeladen.

11. Dezember 2004, 20.30 Uhr, Buchhandlung Land in Sicht.
Rotteckstr. 13, Tel.: (069) 443095
Saturday Night at the Movies.
Ein Abend mit Texten, Filmen, Musik und Wein


PDF-Dateien zum Drucken:

Filme Symposion
DIE FILMDIVA. VERSUCHE EINER ANNÄHERUNG (Dateigröße 11 KB)

Programm Symposion DIE FILMDIVA. VERSUCHE EINER ANNÄHERUNG (Dateigröße 10 KB)



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ERLÄUTERUNGEN ZUM FILMPROGRAMM

Nach einem sehr erfolgreichen, vom Publikum angenommenen Programm im Frühjahr und Sommer sind für den Winter eine weitere Veranstaltungsreihe und ein Symposion geplant. Vorgesehen ist eine Filmreihe, die vom November 2004 bis Februar 2005 laufen wird. Sie hat zwei thematische Schwerpunkte: " Verquere Liebe" und "Faszination der Diven".

"Verquere Liebe" schlägt einen Bogen vom filmischen Surrealismus der Perversionen hin zum Queer-Cinema. Perversionen sind ein altes Thema der Sexualwissenschaft. Ebenso lässt sich sagen, daß Sexualität im Kino immer schon nicht schlicht normativ, sondern oszillierend dargestellt wurde. Seit Foucault ist die Einschreibung der Perversionen auch und gerade durch den Diskurs der Wissenschaft viel erörtert worden. Dabei ist bislang undiskutiert geblieben, wie viel weitreichender das Kino als die Wissenschaft solche Einschreibung praktiziert hat und praktiziert.
"Queer" wiederum ist ein relativ neuer Begriff, der dafür zur Zeit um so heftiger in der Diskussion ist. Wie Filme die gesellschaftliche Herstellung von Geschlechterrollen reproduzieren und produzieren, damit hat sich die Filmanalyse schon lange beschäftigt. Mit der Queer-Theorie eröffnet sich jedoch eine viel weiterreichende Perspektive, nämlich die eines kulturellen Herstellens von Geschlecht, von etwas also, das wir als naturgegeben anzusehen gewohnt sind.

Im Phänomen der Diva kulminiert ein Liebesverhältnis, welches das Kino zwischen Leinwand und Publikum herstellt - jenseits der Geschlechterrollen im Film, jenseits auch der heimlichen sexuellen Vergnügungen im dunklen Raum des Kinos. Für den Star bereits gilt, das er über fetischistische und voyeuristische sexuelle Strebungen den Zuschauerinnen und Zuschauern ein Befriedigung gewährt. In noch weiterreichendem Sinne trifft dies aber auf die Diva zu. Denn sie hat ein ganz anders Fortleben jenseits des Kinos. Zu ihr gehört etwas Tragisches, ein lebensgeschichtliches Scheitern, das die Größe, den Glanz ihrer artifiziellen Erscheinung bricht und eine existentielle Nähe zu ihrem Publikum schafft.

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KONZEPT SYMPOSION

Das Symposion wird Mitte Januar in Zusammenarbeit mit schauspielfrankfurt stattfinden. Unter dem Titel "Die Filmdiva. Versuche einer Annäherung" fasst es die beiden Thematiken des Filmprogramms zusammen. Diese Wochenendveranstaltung wird Filmpräsentation mit Diskussion und Vorträgen mischen und dabei auch Ergebnisse des Seminars vorstellen. Die SeminarleiterInnen, der Sexualwissenschaftler Martin Dannecker und die Filmwissenschaftlerin Heide Schlüpmann werden das Symposion eröffnen. Eingeladen sind Gäste aus dem In- und Ausland: unter anderen die international renommierte Kunst- und Medienwissenschaftlerin Katharina Sykora (HBK Braunschweig), der Filmwissenschaftler Richard Dyer (University of Warwick, England) , der Filmhistoriker, Autor und Filmmacher Eric De Kuyper (Brüssel), der Film- und Videokünstler Matthias Müller (Kunst- und Medienhochschule Köln) sowie der Regisseur Werner Schroeter.

Der Kult um die italienischen Filmdiven Francesca Bertini, Pina Menichelli und Lyda Borelli veranlasste Anfang des 20. Jahrhunderts einige Regisseure, Filme allein um der Darstellerinnen willen zu inszenieren. Diven sind Stars mit einer zusätzlichen Qualität. Diese zusätzliche Qualität lässt sich aber weder allein mit den Inszenierungsformen, noch allein mit dem Schauspiel oder einer bestimmten Starqualität erklären. Das gewisse Etwas der Diven besteht in einem Surplus, welches aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren hervorgeht.

Als Sonderfall des klassischen Stars betrachtet, wird die Diva aus kulturwissenschaftlicher Perspektive. Als "Unfall in der industriellen Maschinerie des Starsystems" (Bronfen 2002) beziehe die Diva ihre Wirkung aus einer doppelten Körperlichkeit: "dem Image (erzeugt durch die einzelnen gespielten Rollen sowie durch die offscreen personality, die sich aus der Gesamtheit der diversen Rollen, durch die man sie kennt zusammensetzt) und dem das Bild erstellenden Leib (dem des Schauspielers, der jenseits seiner Rollen ein Privatleben hat)." Von dieser Art doppelten Körperlichkeit zeugen vor allem auch die Filmdiven des Kino.

Das Symposium beschäftigt sich mit der kinematografischen Dimension der Diva, wobei die Frage nach dem Geschlecht im Zentrum steht. Erstens wird davon ausgegangen, daß im Phänomen der Diva das Liebesverhältnis, welches der Zuschauer im Kino eingehen kann, kulminiert. Für den Star bereits gilt, daß er dem Zuschauer über fetischistische und voyeuristische Strebungen eine Befriedigung gewährt. In einem noch weiterreichenden Sinne gilt dies für die Diva, die nach dem Kino in einem spezifischen Sinne fortlebt. Der Diva haftet etwas Tragisches an, ein lebensgeschichtliches Scheitern, das die Größe, den Glanz ihrer artifiziellen Erscheinung bricht und eine existentielle Nähe zu ihrem Publikum schafft. Zweitens wird die Frage der Geschlechtlichkeit der Diva aufgegriffen. Traditionell weiblichen Geschlechts changiert sie zwischen den Positionen männlich / weiblich. Welchen Geschlechts ist sie? Handelt es sich um eine Doppelgeschlechtlichkeit oder gar um eine Verdopplung des dem Star eigenen Geschlechts? Weiter lässt sich fragen, ob die Diva womöglich ein Drittes Geschlecht repräsentiert, das es noch gar nicht gibt? Oder: ob männliche Stars zu Diven werden können und welches weibliche Publikum sie dazu macht. Was Stars zu Diven macht, mag auch mit ihrer Fähigkeit zusammenzuhängen, einen sexuellen Körper öffentlich und für alle potentiell verfügbar zu machen.

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REFERENTINNEN UND REFERENTEN

Martin Dannecker
Professor für Sexualwissenschaft an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Mitherausgeber der Zeitschrift für Sexualforschung und der Monografienreihe Beiträge zur Sexualforschung. Leiter des Modellprojekts "Psychosoziale Begleitung von HIV-PatientInnen in zwei Frankfurter Schwerpunktpraxen". Publikationen u.a.: Der gewöhnliche Homosexuelle. Eine soziologische Untersuchung über männliche Homosexuelle in der Bundesrepublik, 1974 (zusammen mit Reimut Reiche); Der Homosexuelle und die Homosexualität, 1991; Homosexuelle Männer und Aids. Eine sexualwissenschaftliche Studie zu Sexualverhalten und Lebensstil, 1990; Sexualität und Gesellschaft: Festschrift für Volkmar Sigusch, 2000 (zusammen mit Reimut Reiche herausgegeben).

Richard Dyer
Professor und Leiter des Department of Film & Television Studies an der Universität Warwick (England). Gastprofessuren in den USA, Australien und Europa. Publikationen u.a.: Stars, 1979; Heavenly bodies. Film Stars and Society, 1987; Now you see it. Historical Studies in Lesbian and Gay Film, 1990. Only Entertainment 1992, White 1997, The Cultures of Queers 2002, The Matter of Images 2003.

Eric de Kuyper
Autor, Filmmacher, Dramaturg und Filmhistoriker. Ehemaliger Programmleiter des flämischen Fernsehens; Gründer und Leiter des Film Studies Department an der Universität Niijmegen; ehemaliger künstlerischer Leiter des Nederlands Filmmuseum. Filme in Auswahl: Casta Diva, 1981; Naughty Boys, 1982, A Strange Love Affair, 1985; Pink Ulysses. Neben einer Reihe von autobiografischen Romanen veröffentlichte er zahlreiche Artikel zum Film; Bücher zum Film: Filmische hartstochten (1984), De verbeelding van het mannelijk lichaam, 1993; Allfred Machin. Cinéaste/Film-maker, 1995.

Matthias Müller
Professor für Experimentalfilm an der Hochschule für Medien, Köln. Künstlerische Arbeiten in Film, Video und Fotografie. Präsentationen seiner Werke auf internationalen Festivals wie Cannes, Venedig, Berlin und Rotterdam und in Einzelausstellungen. Das Museum of Modern Art , New York, widmete ihm eine Retrospektive, viele Film- und Kunstmuseen nahmen seine Arbeiten in ihre Sammlungen auf. Er erhielt zahlreiche Film- und Kunstpreise. Filme u.a.: Home Stories, 1990; Vacancy 1998; Mirror, 2003 (zusammen mit Christoph Giradet).

Heide Schlüpmann
Professorin für Filmwissenschaft an der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Mitherausgeberin der Zeitschrift Frauen und Film, Mitbegründerin der Kinothek Asta Nielsen. Forschungsschwerpunkte: Frühes Kino, Geschlechterverhältnisse im Film, Filmästhetik und Kinotheorie.
Publikationen u.a.: Unheimlichkeit des Blicks. Das Drama des frühen deutschen Kinos, 1990; Abendröthe der Subjektphilosophie. Eine Ästhetik des Kinos, 1998; Ein Detektiv des Kinos. Studien zu Siegfried Kracauers Filmtheorie, 1998; Öffentliche Intimität. Die Theorie im Kino, 2002.

Werner Schroeter
Filmemacher und Drehbuchautor. Zwischen 1969 und 1990 hat er 39 Filme gedreht, darunter Der Tod der Maria Malibran 1972, Die neapolitanischen Geschwister 1979, Der Rosenkönig 1986, Malina 1991. Hinzu kommen 36 Theaterinszenierungen, u. a. in Bochum, Köln, Düsseldorf, Bremen, Hamburg. Fassbinder hat ihm in der Filmgeschichte einen Standort prophezeit, den er, im Vergleich mit der Literatur, "irgendwo zwischen Novalis, Lautréamont und Louis-Ferdinand Céline" ansiedelte.

Katharina Sykora
Professorin für Kunstgeschichte an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig; derzeitig Gastprofessorin an der University of Bloomington/Indiana, USA. Forschungsschwerpunkte: Medienvergleich Malerei, Fotografie, Film; Visuelle Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Publikationen u.a.: Körperproduktionen. Über die Artifizialität der Geschlechter, 2002 (zusammen mit Alexandra Karentzos und Birgit Käufer); As you Desire Me. Das Bildnis im Film, 2003: "Ein Bild von einem Mann". König Ludwig II. von Bayern, Konstruktion und Rezeption eines Mythos, 2004.


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VORTRÄGE

aus dem Symposion als PDF

Heide Schlüpmann:
Der Auftritt der Diva
6 Seiten 246 KB
Katharina Sykora
Ava. Göttliches Palindrom
15 Seiten 48 KB


 


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Offizieller Flyer 2 Seiten quer 246 KB
Filme Symposion
DIE FILMDIVA. VERSUCHE EINER ANNÄHERUNG
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