Aktuell

Filme von Ella Bergmann-Michel
Samstag, 24.9.2005 - 16 Uhr
Kino des Deutschen Filmmuseums



Wo wohnen alte Leute?
/ 8'22" / 35mm / 1931,
zusammen mit dem Architekten Mart Stam über das von ihm entworfene Budge-Altersheim in Frankfurt.

Erwerbslose kochen für Erwerbslose / 6'11 " / 35mm / 1932,
Werbefilm für den Verein der Frankfurter Erwerbslosenküchen.

Fliegende Händler / 13'46" / 16mm / 1932,
über Erwerbslose, die ihre Waren ohne Genehmigung in Frankfurt auf der Straße verkaufen.

Fischfang in der Rhön / 7'30" / 35mm / 1932,
Robert Michel beim Fischen an der Sinn.

Die letzte Wahl / I I'33" / 35mm / 1932/33,
dokumentarisches Fragment über den Wahlkampf in den Straßen von Frankfurt.

Mein Herz schlägt blau / 30'/ 16mm / 1989
von Jutta Hercher und Maria Hemmleb, WDR , ein Porträt der Künstlerin Ella Bergmann-Michel, das sich aus einer Collage ihrer Arbeiten zusammensetzt.

Im Anschluss an die Vorführung findet ein Gespräch mit der Filmemacherin Jutta Hercher statt. Zu Gast ist die Frankfurter Galeristin Dorothea Loehr.

Die Filmarbeit von Ella Bergmann-Michel 1931-1933

Anfang der 30er Jahre drehte die Künstlerin Ella Bergmann­ Michel mehrere dokumentarische Filme. Gleichzeitig leitete sie die »Arbeitsgemeinschaft Film« im Bund »Das Neue Frankfurt«, veranstaltete Filmvorführungen in Frankfurter Kinos, zeigte experimentelle Filme der Avantgarde, die neuen Filme aus der Sowjetunion und lud die Regisseure zum Gespräch ein. Angeregt durch Kontakte zu DzigaVertov und Joris Ivens erwarb sie 1932 eine eigene Kamera.

Ihren ersten Film - »Wo wohnen alte Leute?« - realisierte Ella Bergmann-Michel zusammen mit dem Architekten Mart Stam über ein von ihm entworfenes modernes Altenheim. Der Film wurde im Januar 1932 in einer Matinee des Bundes »Das Neue Frankfurt« uraufgeführt.

Ihr zweiter Film - »Erwerbslose kochen für Erwerbslose« - war ein Auftrag des Vereins der Frankfurter Erwerbslosenküchen, dem mit Zuspitzung der Wirtschaftskrise und immer mehr Arbeitslosen die Mittel für die Küchen ausgegangen waren. Der Film wurde in Frankfurter Kinos und an der Hauptwache auf der Straße gezeigt, um die Passanten zum Spenden aufzufordern. In ihrem nächsten Film - »Fliegende Händler« - nutzte sie die Möglichkeiten der kleinen 35mm Handkamera. Sie beobachtet illegale Straßenhändler in Frankfurt und experimentierte dabei mit bewegten Kameraeinstellungen. Sie inszeniert die rasante Flucht eines Händlers vor der Polizei und setzt sich mit der Kamera in ein Jahrmarktkarussell. Auch in der Montage suchte sie, ganz im Sinne der »Liga für den unabhängigen Film«, nach den Eigengesetzlichkeiten des neuen Mediums: Rhythmus und Bewegung.

Schon während der Aufnahmen zu »Fliegende Händler« war sie von der Polizei beschattet worden. Ein Film über die »Letzte Wahl« 1932/33 blieb Fragment, weil die Arbeit für Ella Bergmann-Michel zu gefährlich wurde. Bei Aufnahmen vor einem Wahllokal der NSDAP im Januar 1933 war sie verhaftet worden. Fertigstellen konnte sie noch einen Film über »Fischfang in der Rhön«, ein »lyrisches Landschaftsthema« wie sie später schrieb, bevor sie die praktische Filmarbeit aufgab.

Eine Veranstaltung der Kinothek Asta Nielsen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Frauenreferat der Stadt Frankfurt am Main und dem Kino des Deutschen Filmmuseums.

Kino • Reservierungen unter 069-212-38830
Erwachsene 5,50 € • ermäßigt 4,50 €

Anfahrt: Deutsches Filmmuseum • Schaumainkai 41 (Museumsufer) . D-60596 Frankfurt am Main

Öffentliche Verkehrsmittel:

U1, U2, U3 "Schweizer Platz": Schweizer Straße in Richtung Main bis zur Ecke Schaumainkai . Straßenbahn 16 "Gartenstraße": Schweizer Straße in Richtung Main bis zur Ecke Schaumainkai . U4, U5 "Willy-Brandt-Platz": Untermainbrücke überqueren bis Ecke Schaumainkai

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 KINOTHEK ASTA NIELSEN