OBERMAßFELD/THÜR. - NEW YORK

Susanne Sachsse und Marc Siegel haben vor kurzer Zeit ein Konvolut von Filmen aus Familienbesitz erhalten - Filme die die jeweiligen Großmütter im Lauf ihres Lebens gedreht haben. Die Herkunft der beiden Filmemacherinnen könnte unterschiedlicher nicht sein: Luise Schingnitz kommt aus Thüringen, Stella Siegel aus New York. Was die nun in Berlin liegenden Filmdosen enthalten, entzieht sich auch weitgehend noch der Kenntnis der Enkelin und des Enkels. Gemeinsam mit uns und wir gemeinsam mit Ihnen, werden die beiden, werden wir uns auf das Abenteuer einlassen, das unbekannte Material anzuschauen. Susanne Sachsse und Marc Siegel können und werden allerdings Einiges zu dem Kontext erzählen, in dem die Filme entstanden sind.

Freitag, 14.1., 19.30 Uhr
Samstag, 15.1., 19.30 Uhr

Kinothek Asta Nielsen
Stiftstrasse 2 (6. Stock)
60313 Frankfurt am Main


Susanne Sachsse / Luise Schingnitz


Susanne Sachsse arbeitet als Schauspielerin, Performerin, Regisseurin und Installationskünstlerin. Nach ausgedehnten Theatererfahrungen an verschiedenen Staatstheatern war Sachsse fest am Berliner Ensemble engagiert, wo sie u.a. mit Heiner Müller, Robert Wilson und Einar Schleef arbeitete. Seit 2000 arbeitet Susanne Sachsse als freiberufliche Künstlerin und präsentiert ihre Arbeit im Theater, Film und Kunstkontext. 2001 gründete sie zusammen mit anderen das Künstlerkollektiv CHEAP. Ausserdem verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit mit dem kanadischen Filmemacher Bruce LaBruce (u.a. Gudrun in The Raspberry Reich, 2004) und dem amerikanischen Performancekünstler Vaginal Davis. Als freie Künstlerin arbeitete Sachsse an Performances, Videos und Installationen mit Yael Bartana, Heinz Emigholz, Keren Cytter und Katya Sander zusammen.

"Meine Großmutter, Luise Schingnitz, war eine ernsthafte, moralunabhängige, glamouröse Frau, die nicht zurückhaltend war und die kleinste Zweifel sofort mit einer Bestimmung überdeckte. Eine Frau, die größtenteils aus Statements bestand. Weil sie immer besitzen wollte, egal ob Dinge oder Lebewesen, baute sie ein gigantisches Haus, in dem sie mit zwei Männern, zwei Hunden und zwei Töchtern lebte. Das Haus ist ein Monument. Eine breite Mauer umschlingt das Anwesen zur einen Seite, auf der anderen ist es von riesigen Lebensbäumen begrenzt. Hinter der Mauer stehen drei Trauerweiden, die eine gehörte meiner Großmutter, die andere meinem Großvater und die dritte Fritz, dem Liebhaber meiner Großmutter. Ich fragte mich immer welche Weide am meisten getrauert hat. Ich bin sehr gerne ihre Enkelin."(Susanne Sachsse)

Filme von Susannes Großmutter
17 kleine Rollen (ca. 50 - 60 Minuten)
7 grosse Rollen (ca. 80 Minuten)


Marc Siegel / Stella Siegel

Marc Siegel ist Filmwissenschaftler und Kurator. Zuletzt arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich "Kulturen des Performativen" an der Freien Universität-Berlin. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Avant-Garde-Film und Queer Studies. Zu seinen Aufsätzen gehören "Etwas mehr als die Wirklichkeit: Andy Warhol und Bruce Conner" im Painting Real/Screening Real, Hg. Peter Pakesch (Verlag Walther König, 2009) und "Bruce LaBruce.Post-Pornograf wider Willen," Montage av 18.2 (2009). Überdies hat er eine Austellung zu George Kuchar bei der Berlin Biennale 2010 kuratiert, sowie "LIVE FILM! JACK SMITH! Five Flaming Days in a Rented World" (Arsenal/HAU, Berlin 2009, mit Susanne Sachsse und Stefanie Schulte Strathaus). Er ist auch Mitbegründer des Künstlerkollektivs CHEAP.

Marc Siegels Großmutter Stella Siegel (geborene Mazur) wurde am 22.2.1921 im Brooklyn, New York geboren. Die Familie von Stellas Mutter kam aus Berschad in der Ukraine. Ihre Mutter ist mit ihren Eltern 1912 in die USA ausgewandert. Der ursprüngliche Name der Familie war Rabinowitz, weil sie Rabbiner waren. Aufgrund des Antisemitismus hatten sie ihre Namen in "Jobrack" geändert. 1940 heiratete Stella Sam Siegel, einen Jungen aus der Jugendgruppe, mit der sie oft unterwegs war. Nach Sams Wehrdienst im 2. Weltkrieg fing er an, in New York als Fotograf zu arbeiten. Für beinahe fünf Jahrzehnte fotografierte Sam im Auftrag von Presseagenten und Berühmtheiten vor allem bei Eröffnungsfeiern, Konzerten, und privaten Partys. Fünfzehn Jahre lang war er einer von Frank Sinatras persönlichen Fotografen. Stella, die Jahrzehnte lang in der Verwaltung einer Firma für Elektrogeräte und in der Verwaltung einer Hochschule gearbeitet hat, begleitete ihren Mann hin und wieder bei seinen Aufträgen und nutzte die Gelegenheit, um mit den Stars in Kontakt zu kommen. Die 8mm-Filme, die wir sehen werden, zeigen (wahrscheinlich) die breitere Jobrack Familie zwischen 1951 und 1956 auf Festen in New York. Die Super 8-Filme stammen aus der 1970er Jahren und zeigen Sam und Stella mit ihrem Hund, sowie Marc und seine Schwester.

Filme von Marcs Großmutter

2 Super8-Rollen (ca. 6 min)
5 grosse 8mm-Rollen (ca. 65 min)
1 kleine 8mm-Rolle (ca. 4 min)


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