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DER ALLTAG, DIE TRÄUME

FILME VON ELFI MIKESCH


Eine Filmreihe Sommer 2016


Kuratiert von Karola Gramann, Renate Lippert, Heide Schlüpmann


Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für

Filmwissenschaft der Goethe Universität und dem Seminar von Dr. Renate Lippert, „Ich denke oft an Hawaii“. Elfi Mikeschs Kino., Sommersemester 2016,


sowie

dem Kino im Deutschen Filmmuseum und dem Mal Seh'n Kino



27.4.2016

19 Uhr

Kinothek Asta Nielsen


Ich denke oft an Hawaii


D 1977/78, B, R, K Elfi Mikesch, S Elfi Tillack, T Elfi Tillack, Elfi Mikesch, Christian Sievers, D Carmen Rossol, Ruth Rossol, Dieter Rossol, Farbe und sw, 16 mm, 85 Min., P OhMuvie-Film, Laurens Straub, im Auftrag des ZDF/Kleines Fernsehspiel

UA Februar 1979, Internationale Filmfestspiele Berlin, Internationales Forum des Jungen Films

1978 Bundesfilmband in Silber für Dokumentarfilm


„Ein Film für jedes Wohnzimmer“ sollte Ich denke oft an Hawaii sein, in dem die Phantasien und die Dinge des Alltags ihren besonderen Stellenwert haben. Erzählt wird die Geschichte der sechzehnjährigen Carmen, die mit ihrer Mutter Ruth Rossol und Bruder Tito in einem Mehrfamilienhaus an der Peripherie in West-Berlin leben. Es sind die siebziger Jahre. Die Mutter arbeitete jahrelang in einer Knopffabrik am Fließband und verdient nun als Putzfrau den Lebensunterhalt für die Familie.  Der Vater der Kinder, ein puertoricanischer Berufssoldat, hat sie nach Carmens Geburt verlassen. Außer einigen Postkarten und Hawaii-Musik-Platten ließ er nichts zurück. Tochter Carmen will Tänzerin werden. Sie träumt von einem warmen Land mit Sonne. Tito ist ein stiller Junge, der gerne Geige spielt.

www.elfi-mikesch.com


Im Anschluss an die Vorführung Gespräch mit Elfi Mikesch




28.4.2016

20. Uhr

Mal Seh'n Kino


Fieber


LUX/AT 2014, B, R Elfi Mikesch, K Jerzy Palacz, S Pia Dumont, T Hjalti Bager-Jonathansson, Greg Vittore, Alexander Koller, M André Mergenthaler, D Eva Mattes, Martin Wuttke, Carolina Cardoso, Nicole Max, Sascha Ley, Luc Feit, Oleg Zhukov, André Jung u.a., Farbe, DCP, 80 Min., P Bady Minck, AMOUR FOU Luxembourg & AMOUR FOU Vienna

UA Februar 2014, Internationale Filmfestspiele Berlin, Panorama


„Alles ist feierlich im wilden Garten der Kindheit“ (Pablo Neruda). Anfang der Fünfzigerjahre wächst die kleine Franzi im österreichischen Städtchen Judenburg auf. Ihr bedrückendes Elternhaus wird von ihrem fieber- und nervenkranken, rigiden und unberechenbaren Vater dominiert. Der Vater, der regelmäßig Schweinehälften für den Metzger ausfährt, hatte einige Jahre als französischer Fremdenlegionär in Marokko, Algerien und Syrien verbracht. Eine Zeit, die er teilweise verklärt, und in der er bis heute gefangen ist. In dieses Universum taucht Franzi anhand einer Fülle betörend-verstörender Fotos ein, die der Vater damals aufgenommen hat. In ihrer von Märchen- und Bilderbüchern entzündeten kindlichen Fantasie vermischen sich Albtraum, Reales und Imaginäres, Krieg, Horror und Schönheit. Jahrzehnte später unternimmt die inzwischen erfolgreiche, aber immer noch im Schatten des Vaters stehende Fotografin Franziska eine Reise in dessen Jugend. Sie will sein Kriegstrauma verstehen und Licht in die Vergangenheit der Familie bringen. Doch bald stellt sich heraus, dass diese Spurensuche durchaus zwiespältige Folgen hat.

Programmblatt Internationale Filmfestspiele Berlin 2014, Panorma


Im Anschluss an die Vorführung Gespräch mit Elfi Mikesch




4.5.2016

18 Uhr

Kino des Deutschen Filmmuseums


Was soll'n wir denn machen ohne den Tod

D 1979, R, B, K Elfi Mikesch, S Renate Merck, Elfi Mikesch, T Katharina Geinitz, T-Assistenz Anke-Rixa Hansen, D Frau Käthe, Frau Traute, Bewohner_innen einer Altenpension in Hamburg, Angestellte, Besucher, Barbara Gold, Edith London, Steven Adamczewski, Soma Weisenseel, Christa Weisenseel, Farbe, 16 mm, 101 Min., P OhMuvie Film Berlin und Laurens Straub im Auftrag des ZDF Redaktion Kleines Fernsehspiel

UA Februar 1980, Internationale Filmfestspiele Berlin, Internationales Forum des Jungen Films


[...] Elfi Mikesch ist in ihrem Film Was sollen wir denn machen ohne den Tod, einem der schönsten des diesjährigen Forums der Berlinale, einen ganz anderen Weg gegangen. Sie zeigt Bilder aus einem außergewöhnlichen (privat geführten) Altenheim in Hamburg, Bilder von fünf alten Frauen, von denen zwei – Käthe und Traute – eine besonders innige Beziehung zueinander haben. Auf eine versponnen phantasievolle, von den eigenen Erinnerungen völlig unbelastete Weise tauschen sie Gefühle und Wahrnehmungen aus, die Elfi Mikesch mit dem Tonband aufgezeichnet hat und als Off-Ton zu einer assoziativen Bildmontage ins Verhältnis setzt.

Lenssen, Claudia (1980): Ungeschützte Vertrautheit, in: Zeit Online, URL: www.zeit.de/1980/16/ungeschuetzte-freiheit



11.5.2016

18 Uhr

Kino des Deutschen Filmmuseums


Malina

D/AT 1991, R Werner Schroeter, B Elfriede Jelinek, nach dem Roman Malina von Ingeborg Bachmann, K Elfi Mikesch, S Andrea Wenzler, Juliane Lorenz, T Georg Krautheim, M Giacomo Manzoni, Tomaso Tretta, Karl Maria von Weber, Architektur und Ausstattung Herta Pischinger-Hareiter, D Isabelle Huppert, Mathieu Carrière, Can Togany u.a., Farbe, 35 mm, 125 Min., P Kuchenreuther Film GmbH, Neue Studio Film GmbH

UA Mai 1991, Internationale Filmfestspiele von Cannes


[...] Auch in MALINA, nach dem Roman von Ingeborg Bachmann, ist Elfi Mikeschs Kameraarbeit eigenwillig: Der Film beginnt mit einer Kreisfahrt um Isabelle Huppert, und auch im Weiteren folgen fließend-herumschweifende Fahrten, mit denen sich die Kamera selbständig zu machen scheint, Räume durchquert, Personen umkreist und einen visuellen Raum erzeugt, der die äußere wie die innere Realität der Protagonistin erfasst. Eine Schriftstellerin, die mit einem Mann namens Malina zusammenlebt, wird durch die Begegnung mit einem jungen Ungarn in einen emotionalen Strudel gerissen. Sie stürzt sich in eine maßlose, absolute, leidenschaftliche Liebe, an der sie schließlich zugrundegeht.


Aus dem Programmtext des Kino Arsenal zur Retrospektive Elfi Mikesch, Oktober 2005




15.6. 2016

18 Uhr

Mal Seh'n Kino


Verführung – die grausame Frau

D 1985, R, B, Elfi Mikesch, Monika Treut nach Motiven des Romas Venus im Pelz von Leopold von Sacher-Masoch, K Elfi Mikesch, S Renate Merck, T Cäsar Gremmler, Kostüm Anne Jud, Maske Rolf Baumann, Licht Wolfgang Kluge, Peter Werner, Requisite Birgit Ruttkowski, Ausstattung Manfred Blösser, D Mechthild Grossmann, Udo Kier, Sheila McLaughlin, Carola Regnier, Georgette Dee, Peter Weibel, Judith Flex, Barbara Ossenkopp, Daniela Ziegler, George Lanann, Jürg Schlachter u.a., Farbe, 16mm, Blow-Up 35mm, 84 Min., P Elfi Mikesch, Monika Treut, Hyäne I/IIFilmproduktion unterstützt vom Hamburger Filmbüro und Filmbüro Nordrhein-Westfalen

UA Februar 1985, Internationale Filmfestspiele Berlin, Internationales Forum des Jungen Films


Wanda (Pina Bauschs Primadonna Mechthild Grossmann) ist eine geheimnisvolle Domina und clevere Geschäftsfrau. Ihr Beruf ist es, grausam zu sein, und ihre Spezialität, ihre LiebhaberInnen in die Falle der Verführung zu locken. In ihrer Galerie im Hamburger Hafen inszeniert Wanda bizarre Bühnenshows für ein zahlendes Publikum: sadomasochistische Rituale als ästhetische Form und gewinnbringendes Geschäft. Auch in ihrem Privatleben ist sie eine souveräne Herrscherin. Sie bestimmt die Spielregeln der Lust, denen ihre LiebhaberInnen zu folgen haben. Gregor (Udo Kier), ihr sklavischer Bühnenpartner, ist ein romantischer Schwärmer. Justine (Sheila McLaughlin) ist eine naive Unschuld aus Amerika. Als Wandas gelehrige Schülerin begreift sie bald, daß die Verführung ein teuflisch raffiniertes Spiel ist. Herr Mährsch (Peter Weibel) ist Journalist und will Wanda interviewen. Sein berufliches Interesse bricht schnell zusammen. Statt dessen entdeckt er seine masochistischen Wünsche. Nur Caren (Carola Regnier), die lesbische Freundin und exzentrische Geschäftsfrau, leidet. Deshalb muß sie aus dem Spiel ausgeschlossen werden. Denn die Show muß weitergehen.



Die blaue Distanz

D 1983, R, B, K, S, Ausstattung, Kostüm Elfi Mikesch, K-Assistenz Wolfgang Pilgrim, S Heide Breitel, T Anke-Rixa Hansen, M Fritz Mikesch, Maske Béatrice Stephany, D Silke Grossmann, Sprecher Heinz Emigholz, sw, 35 mm, 20 Min., P OhMuvie-Film. Nach Briefen von Unica Zürn

UA Februar 1983, Internationale Filmfestspiele Berlin, Internationales Forum des Jungen Films


Werde ich dir einmal begegnen?

Nach drei Wegen im Regen bilde

im Erwachen dein Gegenbild: er,

der Magier. Engel weben dich in

den Drachenleib. Ringe im Wege,

lange beim Regen werd ich dein.

Unica Zürn, Anagramm

(Ermenonville 1959)


Elfi Mikesch: "Die blaue Distanz" wird die Perspektive der Boulevards von Paris genannt, die der Blick bis zum unbestimmten Horizont wahrnehmen kann. Gleichzeitig bedeutet sie die Distanz zweier Liebenden in den Briefen der Künstlerin Unica Zürn. Im Film begegnet einer Reisenden ihr Ebenbild, hinter dem sich der Geliebte oder die Geliebte verbirgt, sublimiert aus dem Mangel an Nähe. Eine Phantasmagorie zwischen Traum und Wirklichkeit, während einer nächtlichen Zugfahrt zwischen Berlin und Basel. „Bedrohlich ist das Bild derjenigen, die sich in Bewegung versetzen, egal ob in der Bewegung des Reisens oder Trennens, des Abschieds, nur für diejenigen, die ihren Platz eingenommen haben, an dem sie sesshaft sind.“

www.elfi-mikesch.com


SOMMER 2016

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